Die türkische Zentralbank steht vor einer richtungsweisenden geldpolitischen Sitzung. Der geldpolitische Ausschuss (MPC) tritt am 22. April zu seiner dritten Zinsentscheidung des Jahres zusammen. Im Fokus steht die Frage, ob der Leitzins angesichts der anhaltenden globalen wirtschaftlichen Verwerfungen durch den Nahostkonflikt sowie einer sich verlangsamenden Inflation erneut unangetastet bleibt.
Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AA Finans unter 37 Ökonomen rechnet eine deutliche Mehrheit mit einem Stillhaltekurs. 22 der befragten Volkswirte gehen davon aus, dass der einwöchige Repo-Satz unverändert bei 37 Prozent belassen wird. Die Medianerwartung für die Sitzung im April deutet somit auf eine Zinspause hin. Demgegenüber prognostizieren 14 Ökonomen eine deutliche Anhebung um 300 Basispunkte, während ein Teilnehmer einen moderaten Zinsschritt von 100 Basispunkten nach oben erwartet.
Für das Jahresende kalkuliert die mittlere Prognose der Umfrageteilnehmer mit einem Leitzins von 33 Prozent.
Die Notenbankführung hatte zuletzt Signale der Wachsamkeit ausgesandt. So verwies Zentralbankgouverneur Fatih Karahan bei einer Präsentation in New York auf den anhaltenden, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägten Disinflationsprozess. Die jährliche Inflationsrate in der Türkei sank im März auf 30,87 Prozent nach 31,53 Prozent im Februar. Die monatliche Teuerungsrate schwächte sich von 2,96 auf 1,94 Prozent ab. Karahan führte diese Entwicklung teilweise auf eine geringere Dynamik bei Miet- und Bildungspreisen zurück.
Beim Global Outlook Forum des Institute of International Finance (IIF) in Washington betonte Zentralbank-Vizegouverneurin Hatice Karahan indes die veränderte strategische Ausrichtung. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Eskalation im Nahen Osten liege der Fokus nun stärker auf der Steuerung der Inflationserwartungen und der Wechselkursstabilität, um die Preisstabilität zu sichern.
Bereits im März hatte die Notenbank den Leitzins bei 37 Prozent belassen. Auch die Overnight-Sätze wurden unverändert belassen. Der Zinssatz für die Übernachtausleihung liegt bei 40 Prozent, jener für die Übernachteinlage bei 35,5 Prozent.
Der aktuelle Leitzins von 37 Prozent ist das Ergebnis einer wechselvollen geldpolitischen Phase. Nach einem straffen Zinserhöhungszyklus, der den Schlüsselsatz von 8,5 Prozent im Mai 2023 auf 50 Prozent getrieben hatte, folgte eine Phase der Stabilität. Seit Dezember 2024 schwenkte die Notenbank schrittweise auf einen Lockerungskurs um. Nach Senkungen um 250, 100 und 150 Basispunkte erfolgte im Januar 2026 die letzte Anpassung auf das heutige Niveau.