Zentralbankgouverneur Karahan skizziert Inflationsausblick für die Türkei

27.06.2026 – 7:00 Uhr

Im Kampf gegen die hohe Inflation setzt der Gouverneur der türkischen Zentralbank, Fatih Karahan, auf eine deutliche Abkühlung der Binnenkonjunktur. Bei einer Präsentation in London erklärte Karahan am 24. Juni, dass die nachlassende Inlandsnachfrage und die abnehmende Preisträgheit im Dienstleistungssektor die geldpolitische Strategie stützten.

Trotz geopolitischer Belastungen habe sich die Verschlechterung der Inflationserwartungen in Grenzen gehalten. Sollten die geopolitischen Spannungen nachlassen, könnten zudem die durch Angebotsschocks gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie wieder sinken.

Die schwächere Nachfrage verbessere das Preissetzungsverhalten der Unternehmen. Zwar verteuerten höhere Energiepreise die Importrechnung der Türkei, doch der geringere Binnenkonsum dämpfe zugleich den Druck auf die Leistungsbilanz. Die Exporte zeigten sich robust, unter anderem, weil Handelsströme umgelenkt würden.

Mit Blick auf die Währungsstabilität betonte der Notenbankchef, dass die Nachfrage nach in Lira lautenden Anlagen hoch bleibe. Dies werde durch die straffe Geldpolitik, makroprudenzielle Instrumente und starke Devisenreserven gestützt. Eine erneute Dollarisierung sei daher nicht zu befürchten. Karahan sagte: „Die Nachfrage der Inländer nach der türkischen Lira bleibt robust, und die Währungsreserven sind solide.“

Im Dienstleistungssektor trägt vor allem der nachlassende Preisauftrieb bei Mieten und Bildungskosten zur Entspannung bei. Dagegen bleibt die Nahrungsmittelinflation volatil und hat zuletzt ein erhöhtes Niveau gehalten. Die kurzfristige Inflationsdynamik wird maßgeblich von diesen Faktoren sowie der konjunkturellen Abkühlung bestimmt. Immerhin haben sich die Inflationserwartungen der privaten Haushalte spürbar und flächendeckend zurückgebildet.

Aktuelle Konjunkturindikatoren wie die Umsätze im Einzelhandel und mit Kreditkarten sowie das Kreditwachstum signalisieren eine Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität. Die Kapazitätsauslastung der Industrie ist verhalten und das Außenhandelsdefizit hat sich im zweiten Quartal verringert. Laut Karahan blieben die Auswirkungen der geopolitischen Lage auf den Tourismus sowie die Devisennachfrage der privaten Haushalte bislang begrenzt.