Im Handelskonflikt um chinesische Elektroautos hat die Welthandelsorganisation (WTO) zugunsten Chinas entschieden. In einem am 28. Juli veröffentlichten Bericht erklärt das Streitbeilegungsgremium der WTO die von der Türkei verhängten Sonderzölle für unvereinbar mit internationalen Handelsabkommen.
China hatte im Oktober 2024 in Genf Beschwerde eingelegt, nachdem Ankara zusätzliche Einfuhrabgaben in Höhe von 40 Prozent auf Elektrofahrzeuge aus chinesischer Produktion eingeführt hatte. Die WTO-Richter stellten nun fest, dass diese Maßnahmen gegen mehrere Bestimmungen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens von 1994 verstoßen.
Beide Parteien können gegen den Beschluss Berufung einlegen. Allerdings ist das Berufungsverfahren der WTO seit Ende 2019 blockiert, da die Vereinigten Staaten die Ernennung neuer Richter:innen verhindern.
Die handelspolitischen Spannungen hinterlassen deutliche Spuren auf dem türkischen Automobilmarkt. So sank der Absatz chinesischer Marken im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39,6 Prozent auf 28.602 Fahrzeuge. Ihr Marktanteil schrumpfte innerhalb eines Jahres von 7,8 auf 5,1 Prozent. Auch die Zahl der aktiven chinesischen Hersteller verringerte sich von zehn auf sieben.
Besonders hart traf es den Elektroauto-Pionier BYD: Während das Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 noch 25.501 Fahrzeuge absetzen konnte, waren es im gleichen Zeitraum 2026 lediglich 6.809 Einheiten – ein Einbruch um 73,3 Prozent bzw. 18.692 Fahrzeuge.
Die Chery-Gruppe hingegen konnte ihren Gesamtabsatz leicht von 19.026 auf 19.313 Fahrzeuge steigern. Allerdings sanken die Verkäufe der Kernmarke Chery von 15 346 auf 12 690 Einheiten. Das Wachstum wurde allein von den Submarken Omoda und Jaecoo getragen, die gemeinsam 6.623 Fahrzeuge absetzten.