Der türkische Immobilienmarkt sendet widersprüchliche Signale: Die Kaufpreise für Wohnimmobilien steigen zwar auf dem Papier kräftig, ihr Wert schmilzt jedoch inflationsbereinigt dahin. Wie die Zentralbank der Republik Türkei am Mittwoch mitteilte, verzeichnete der Wohnimmobilien-Preisindex (RPPI) im April real, also unter Herausrechnung der Inflation, einen Rückgang von 4,3 Prozent im Jahresvergleich.
Nominal hingegen legten die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 26,6 Prozent zu. Gegenüber dem Vormonat März stiegen die Wohnungspreise landesweit um 1,8 Prozent. Besonders dynamisch zeigte sich die Entwicklung in den Metropolen: In Istanbul kletterten die Preise im Monatsvergleich um 1,6 Prozent, in Ankara um 2,6 Prozent und in Izmir um 2,1 Prozent. Auf Jahressicht betragen die nominalen Steigerungen in Istanbul 26,2 Prozent, in Ankara 29,9 Prozent und in Izmir 26,7 Prozent.
Ein genauerer Blick auf die einzelnen Segmente offenbart eine Zweiteilung des Marktes. Neubauten verteuerten sich im April überdurchschnittlich: Der entsprechende Index stieg um 2,27 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 30,17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bestandsimmobilien legten dagegen mit einem monatlichen Plus von 1,63 Prozent und einem jährlichen Plus von 26,09 Prozent moderater zu.
Eine ähnliche Diskrepanz zwischen nominalem Schein und realem Sein zeigt sich bei den Mieten. Zwar stieg der Index für Neuvermietungen (NTRI) nominal um 31,7 Prozent im Jahresvergleich, real schrumpfte er jedoch um 0,5 Prozent. Monatlich stiegen die Neuvertragsmieten um 1,7 Prozent. In den Großstädten fielen die nominalen Jahressprünge mit 36,2 Prozent in Istanbul, 36,7 Prozent in Ankara und 29,4 Prozent in Izmir noch deutlicher aus. Mit 2,8 Prozent verteuerten sich neue Mietverträge in Ankara monatlich am stärksten, gefolgt von Istanbul (1,4 Prozent) und Izmir (1,2 Prozent).
Die Daten zeichnen das Bild eines Marktes, der nominell boomt, jedoch von der hohen Inflation im Land aufgezehrt wird. Für Immobilienbesitzer bedeutet der reale Wertverlust eine schleichende Enteignung, während Neuvermieter zumindest nominal versuchen, die Geldentwertung über höhere Mieten auszugleichen.