Die Weltbank hat ihre Finanzhilfen für die Türkei im abgelaufenen Fiskaljahr (Ende Juni) auf 5,6 Milliarden US-Dollar erhöht. Damit ist die Türkei laut der Institution der weltweit größte Empfänger von Weltbank-Mitteln für Entwicklungsländer. Wie der Türkei-Direktor der Weltbank, Jean Christophe Carret, auf einer Pressekonferenz in Istanbul mitteilte, liegt das Land mit rund 23 Milliarden Dollar an laufenden Projekten inzwischen weltweit unter den größten Kunden der Bank.
Laut Carret übertrifft die Mittelzuweisung an die Türkei die Finanzierungen für andere große Schwellenländer wie Indien, Brasilien, Nigeria und Pakistan. Für das laufende Fiskaljahr strebt die Weltbank weitere vier Milliarden US-Dollar an neuen Mitteln an. Diese sollen vor allem in Infrastrukturvorhaben in den Bereichen Verkehr, Energie und Wasser fließen. Ein Teil der Gelder wird über heimische Entwicklungsbanken an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) weitergeleitet, um deren Wettbewerbsfähigkeit und Exportmöglichkeiten zu stärken.
Die Zusammenarbeit weitet sich laut Carret auf neue Bereiche aus. Im Energiesektor verfolgt die Türkei das Ziel, ihre Elektrifizierung bis 2035 um 35 Prozent zu steigern. Dazu finden Gespräche mit dem Übertragungsnetzbetreiber TEIAS über die Nutzung des ersten Stromkorridors des Landes und den Einsatz von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik (HGÜ) statt. Der erste HGÜ-Korridor soll 700 Kilometer lang sein, von der Mittelmeerküste bis Istanbul reichen und gilt als zentraler Bestandteil des künftigen Stromnetzes.
Auch im Schienenverkehr werden die Partnerschaften ausgeweitet. Bereits finanzierte Vorhaben betreffen den Mittleren Korridor sowie sogenannte Last-Mile-Verbindungen, die organisierte Industriezonen zwischen dem Mittleren und dem Südlichen Korridor erschließen.
Auch die International Finance Corporation (IFC), die Privatwirtschaftstochter der Weltbankgruppe, baut ihr Engagement in der Türkei aus. Lisa Kaestner, die als IFC-Direktorin für die Türkei, Kasachstan und Usbekistan zuständig ist, erklärte, die Türkei sei nach Brasilien und Indien das drittgrößte Portfolio der IFC weltweit. Im Fiskaljahr 2026 habe die IFC mit 5,5 Milliarden Dollar so viel wie nie zuvor in den türkischen Privatsektor investiert. Über die vergangenen zehn Jahre summierten sich die Investitionen auf 25 Milliarden Dollar. Die Schwerpunkte lagen laut Kaestner bei Logistik – darunter 1,2 Milliarden Dollar für den Flughafen Antalya – sowie bei nachhaltigen industriellen Produktionskapazitäten. Im Jahr 2023 investierte die IFC zudem rund 530 Millionen Dollar über fünf türkische Banken, um Kleinst- und Kleinunternehmen in den vom Erdbeben betroffenen Südregionen des Landes zu unterstützen.