Wasserkraft dominiert türkischen Strommix im April – Erdgas bei Kapazität weiter vorn

22.06.2026 – 6:30 Uhr

Die türkische Stromerzeugung hat im April einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht, der auf den ersten Blick wie eine grüne Erfolgsgeschichte wirkt. Fast die Hälfte des gesamten lizenzierten Stroms stammte aus Wasserkraft. Ein genauerer Blick in die Zahlen der Energiemarktregulierungsbehörde EPDK offenbart jedoch eine anhaltende Zwei-Klassen-Gesellschaft im türkischen Kraftwerkspark.

Wie aus dem aktuellen Monatsbericht der Behörde hervorgeht, kletterte die lizenzierte Stromproduktion im Jahresvergleich um 1,19 Prozent auf über 25 Millionen Megawattstunden. Die Wasserkraft nahm mit einem Anteil von 46,58 Prozent dabei unangefochten den Spitzenplatz ein. Mit deutlichem Abstand folgten Braunkohle (11,65 Prozent), Windkraft (10,66 Prozent), Erdgas (9,61 Prozent) und Importkohle (9,48 Prozent). Geothermie trug 3,95 Prozent bei, der Rest verteilte sich auf Biomasse, Solarenergie, Steinkohle, Asphaltit und Heizöl.

Parallel zum Produktionsanstieg wuchs auch der Stromverbrauch der Verbraucher: Dieser legte um 6,24 Prozent auf 23,19 Millionen Megawattstunden zu. Größter Abnehmer blieb mit 41,72 Prozent die Industrie, gefolgt von privaten Haushalten (29,55 Prozent) sowie dem öffentlichen und privaten Dienstleistungssektor inklusive sonstiger Abnehmer (25,38 Prozent). Auf die Beleuchtung entfielen 1,84 Prozent und auf die Landwirtschaft 1,51 Prozent.

Ein Blick auf die installierte Kapazität relativiert jedoch die Dominanz der erneuerbaren Energien im Erzeugungsmix: Sie stieg um 3,19 Prozent auf 100.545 Megawatt. Im Kraftwerkspark selbst liegt Erdgas mit einem Anteil von 24,46 Prozent an der gesamten installierten Leistung weiterhin vorne. Dahinter rangieren die Staudamm-Wasserkraft mit 23,74 Prozent und die Windkraft mit 14,76 Prozent. Importkohle bringt es auf 10,40 Prozent und Braunkohle auf 10,17 Prozent.

Die Zahlen verdeutlichen eine strukturelle Diskrepanz: Während die Witterung und die Wasserführung die tatsächliche Produktion zugunsten der Wasserkraft stark verschieben, bleibt das Land im Bereich der vorgehaltenen Kapazität massiv von fossilen Energieträgern – angeführt von Erdgas – abhängig. Diese stillen Reserven bilden das Rückgrat für Zeiten, in denen Wind und Wasser nicht ausreichend liefern.