Warnung aus der Industrie: Europas Auto-Branche könnte ohne die Türkei “nicht überleben”

20.01.2026 – 7:00 Uhr

Cengiz Eroldu, der Chef des türkischen Automobilherstellerverbands (OSD), hat vor den Folgen einer möglichen Ausgrenzung seines Landes aus der europäischen Autoproduktion gewarnt. Anlass sind die von der Europäischen Union geplanten neuen Ursprungsregeln für die Kennzeichnung „Made in EU”. „Eine europäische Automobilindustrie ohne die Türkei hätte Schwierigkeiten zu überleben”, sagte Eroldu in einer Stellungnahme.

Am 28. Januar will die EU-Kommission über neue Etikettierungsvorschriften beraten, die klarstellen sollen, ob ein Fahrzeug innerhalb oder außerhalb der EU hergestellt wurde. Während die Maßnahme offiziell als Verbraucherinformation dargestellt wird, wird sie weithin als Teil einer Strategie gesehen, die heimische Industrie vor der wachsenden Konkurrenz chinesischer Elektroautos zu schützen.

Eroldu betonte die enge Verflechtung beider Märkte: 70 Prozent der türkischen Autoexporte gehen in die EU und die Türkei steuert ihrerseits acht Prozent zu den gesamten Pkw-Exporten des Blocks bei. „Die Türkei ist ein komplementärer Produktionsstandort für europäische Hersteller, sowohl bei der Fahrzeugproduktion als auch bei der Teilelieferung”, so der OSD-Chef. Man rechne nicht damit, dass die „Made in EU“-Frage die Türkei negativ betreffe, es handele sich aber um ein Risiko, das genau beobachtet werden müsse.

Die Warnung erfolgt vor dem Hintergrund der angespannten Lage auf dem türkischen Inlandsmarkt. Trotz starker Exporte verzeichnete die Branche im Jahr 2025 ein Handelsdefizit von 7,7 Milliarden US-Dollar. Der Marktanteil lokal produzierter Autos sank auf den Rekordtiefstand von 29 Prozent, was den anhaltenden Druck durch Importe auf die Preise unterstreicht.

Eroldu räumte Wettbewerbsnachteile durch Wechselkurs- und Inflationsunterschiede ein, forderte jedoch dazu auf, die Herausforderungen durch Effizienzsteigerungen statt durch Beschwerden zu lösen. Die Industrie müsse selbst Verantwortung übernehmen, betonte er und verwies auf Investitionen der OSD-Mitglieder in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.

Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert Eroldu, dass Produktion, Exporte und Marktperformance auf dem Niveau von 2025 bleiben werden. Die Ergebnisse der getätigten Investitionen hätten bereits im vergangenen Jahr erste Früchte getragen.