Istanbul – Die türkische Zentralbank hat signalisiert, dass sie ihren Lockerungskurs auch 2026 fortsetzen will – allerdings in einem langsameren und vorsichtigeren Tempo.
In ihrem ersten Inflationsbericht des Jahres schlug Notenbankchef Fatih Karahan trotz einer Ausweitung der Inflationsprognosespanne einen eher dovishen Ton an. Dies bestärkte die Erwartung, dass Zinssenkungen fortgesetzt werden, jedoch in begrenzten Schritten.
Bereits bei der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (MPC) am 22. Januar senkte die türkische Zentralbank den Leitzins um 100 Basispunkte auf 37 Prozent. Marktbeobachter werteten diesen Schritt als bewusst zurückhaltend. Auch für die nächste MPC-Sitzung am 12. März rechnen Analysten mit einer Reduzierung von höchstens 100 Basispunkten.
Karahan erklärte, die Schwelle für größere Zinsschritte liege kurzfristig „relativ hoch“ – eine Aussage, die allgemein als Signal gegen aggressivere Lockerungen verstanden wurde.
Zwar hielt die türkische Zentralbank an ihrem Inflationsziel für 2026 von 16 Prozent fest, weitete jedoch die Prognosespanne von zuvor 13–19 Prozent auf nunmehr 15–21 Prozent aus und verwies damit auf gestiegene Risiken. Gleichzeitig betonte Karahan, dass sich die Inflation ab März verbessern dürfte, was Hoffnungen auf weitere moderate Zinssenkungen nährt.
Chefvolkswirte führender türkischer Banken beschrieben den Ton des Berichts als dovisher als erwartet. Ein Ökonom erklärte, die Botschaft laute sinngemäß: „Mehr als 100 Basispunkte sollten Sie nicht von uns erwarten.“ Entscheidend seien nun die Inflationsdaten für Februar und März – enttäuschende Werte könnten weitere Zinssenkungen sogar stoppen.
Auch internationale Beobachter teilen die vorsichtige Einschätzung. Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die türkische Zentralbank das Tempo der Lockerungen drosseln könnte. Die gesamten Zinssenkungen in diesem Jahr dürften demnach unter den zuvor prognostizierten 900 Basispunkten bleiben.