Es ist eines der längsten unterirdischen Metrosysteme der Welt und komplett „Made in Turkey“: Am Freitag wird in Istanbul die letzte Etappe der Linie Gayrettepe–Flughafen Istanbul–Halkalı feierlich eröffnet. Verkehrsminister Abdulkadir Uraloğlu sprach am Vorabend des Termins von einem Meilenstein für die Stadt und das Land. Die gesamte 69 Kilometer lange Strecke verläuft durchgängig unter der Erde und wird mit Hochgeschwindigkeit befahren.
30 Minuten vom Vorort zum Flughafen
Mit der 22 Kilometer langen Verlängerung zwischen Halkalı und Arnavutköy wächst das vom Ministerium verantwortete Schienennetz in der Metropole auf 180 Kilometer. Fünf neue Stationen gehen am 20. Juni in Betrieb: „İbn Haldun Universität”, „Kayaşehir”, „Olimpiyatköy”, „Halkalı Stadion” und „Halkalı”. Letztere wird zum zentralen Umsteigepunkt, da sich hier künftig Hochgeschwindigkeitszüge, die S-Bahn-Linie Marmaray, die U-Bahn nach Yenikapı–Kirazlı sowie die künftige Linie nach Bahçeşehir–Esenyurt kreuzen.
Die Fahrzeiten versprechen eine massive Entlastung des chronisch verstopften Straßenverkehrs: Vom Bahnhof Halkalı zum Flughafen sind es künftig 30 Minuten und nach Gayrettepe im Finanzdistrikt 57 Minuten. Rund 1,5 Millionen Bewohner der Stadtteile Başakşehir und Küçükçekmece erhalten erstmals eine umsteigefreie Schienenverbindung quer durch die europäische Seite Istanbuls.
117 Millionen Stunden weniger im Stau
Das Ministerium rechnet vor, dass das Projekt bis 2043 rund 117 Millionen Stunden an Reisezeit einspart. Die daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Vorteile – geringere Straßeninstandhaltungskosten, geringere Betriebskosten und Zeitgewinne – beziffert Uraloğlu auf kumuliert 935 Millionen Euro. Der Minister sprach von einem „Gewinn von fast einer Milliarde Euro“ für das Land.
Heimische Signaltechnik und fahrerlose Züge
Die technische Ausstattung unterstreicht Ankaras Anspruch, bei Großprojekten zunehmend auf die einheimische Industrie zu setzen. So kommt auf einer Metro-Linie in der Türkei erstmals ein vollständig von ASELSAN entwickeltes Signalsystem zum Einsatz. Von den insgesamt 100 Wagen, die in 25 Zuggarnituren verkehren, wurden die letzten 15 Einheiten laut Ministerium komplett für den fahrerlosen Betrieb in der Türkei produziert. Ab Samstag schaltet die Linie laut Uraloğlu auf vollautomatischen Betrieb um. Die Fahrzeuge erreichen eine Betriebsgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde, ihre konstruktive Höchstgeschwindigkeit liegt bei 132 km/h. Jeder Zug kann 1 142 Fahrgäste befördern.
Weltrekorde beim Tunnelbau
Auch die Bauphase sorgte für Aufmerksamkeit: Zeitgleich waren zehn Tunnelbohrmaschinen im Einsatz. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mehrere Weltrekorde aufgestellt, darunter ein monatlicher Vortrieb von 1.233 Metern. Die Arbeiten an weiteren Strecken in Istanbul laufen derweil weiter. Derzeit befinden sich rund elf Kilometer im Bau, darunter eine Verlängerung nach Ümraniye Spor Köyü. Langfristig soll das vom Ministerium errichtete Schienennetz in der Stadt auf 191 Kilometer anwachsen.
„Ein Ring, der die Stadt zusammenhält“
Minister Uraloğlu bezeichnete die fertiggestellte Linie als „Ring im Herzen der europäischen Seite Istanbuls“ – ein geschlossener Schienenkreis, der West mit Ost und Nord mit Süd verbindet. Die offizielle Eröffnung durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist für morgen angesetzt.