Der deutliche Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat laut dem Analysten Zeynel Balcı weltweit Käufe an den Aktienmärkten ausgelöst. Auch für die Türkei könnten sich laut seiner Darstellung günstige Impulse ergeben. Nach den Wahlergebnissen gaben die Ölpreise nach, der Dollar schwächte sich ab und die Renditen von Anleihen gingen zurück. Im Gegenzug legten die Gold- und Silberpreise zu.
Ein ruhigeres geopolitisches Umfeld wäre für die Türkei besonders vorteilhaft, so Balcı. Eine entspanntere Lage in der Region komme allen zugute, für die Türkei aber in besonderem Maße, da sie dem Iran nahe ist. Sinkende Ölpreise könnten zudem dabei helfen, den erneuten Inflationsdruck zu dämpfen und die Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits zu verlangsamen. Balcı schätzt, dass diese Entwicklungen auch einen Anhaltspunkt für eine weitere Zinssenkung der türkischen Zentralbank bei ihrer Sitzung am 10. Dezember liefern könnten.
Die Erholung der Borsa Istanbul, die wegen einer Fondsuntersuchung unter starkem Verkaufsdruck stand und als günstig sowie noch nicht nachhaltig erholt gilt, könnte seinen Worten zufolge eine Zeit lang anhalten. Unterstützt werde sie von der Zuversicht an den globalen Märkten. Balcı bezeichnete die Marktbewegungen nach der Wahl als erste Reaktion. Ob sie dauerhaft sind, hängt maßgeblich von der Haltung Donald Trumps und dem Verlauf der US-Iran-Beziehungen ab.
Unterdessen wies die ING in einer Mitteilung nach Veröffentlichung der Oktober-Inflationsdaten darauf hin, dass die türkische Zentralbank ihren Zinssenkungszyklus im Dezember wahrscheinlich fortsetzen werde. Die Oktober-Inflation sei in dieser Hinsicht kaum als Wendepunkt anzusehen. BBVA Research erwartet dagegen im Dezember weiterhin unveränderte Zinsen und verweist auf hohe Energiepreise sowie den jüngsten Druck auf die Reserven. Sollten die Energiepreisbelastungen nachlassen und sich die Reserven stabilisieren, sei eine Zinssenkung um 100 Basispunkte im Einklang mit dem Marktkonsens jedoch nicht auszuschließen.