Der geplante Einstieg von Turkish Airlines bei der spanischen Fluggesellschaft Air Europa ist auf Eis gelegt und verzögert sich massiv. Ein Abschluss der Transaktion ist laut der spanischen Zeitung „ABC” vor Ende 2026 unwahrscheinlich. Grund dafür ist das schleppende Prüfungsverfahren auf europäischer Ebene: Die Europäische Kommission hat die geplante Beteiligung bisher noch nicht einmal formal zur Genehmigung vorgelegt bekommen.
Ursprünglich war die Fluggesellschaft aus Istanbul von einem zügigen Verfahren ausgegangen. Nach der Ankündigung im August 2025 hatte Turkish Airlines erwartet, den Erwerb der Minderheitsbeteiligung innerhalb von sechs bis zwölf Monaten abzuschließen. Nun muss sich der Zeitplan offenbar um Jahre verschieben.
Das Vorhaben steht unter doppelter Beobachtung durch die Wettbewerbshüter. Die Kommission muss den Deal sowohl unter das EU-Fusionsrecht als auch unter die Verordnung über ausländische Subventionen fallen lassen. Doch bevor die inhaltliche Prüfung beginnen kann, fehlt schlicht die offizielle Anmeldung. Zudem ist die Zustimmung des spanischen Auslandsinvestitionsgremiums Jinvex erforderlich. Turkish Airlines selbst gibt sich gelassen. Das Verfahren verlaufe planmäßig und im Einklang mit allen regulatorischen Anforderungen, so die Fluggesellschaft.
Das Finanzvolumen dieses Deals ist komplex. Im Kern geht es um eine Minderheitsbeteiligung von rund 26 Prozent, für die Turkish Airlines etwa 300 Millionen Euro aufwendet. Dieses Kapital wurde Air Europa bereits in Form eines Wandeldarlehens zur Verfügung gestellt. Mit dem frischen Geld konnte die spanische Fluggesellschaft ein staatliches Darlehen des Fonds SEPI in Höhe von 475 Millionen Euro vollständig tilgen. Sollte die EU die Beteiligung am Ende doch noch blockieren, sieht die vertragliche Konstruktion einen Rückfallmechanismus vor. Das Darlehen würde sich dann in einen standardmäßigen Kredit umwandeln.
Bei einer erfolgreichen Genehmigung würde sich die Eigentümerstruktur von Air Europa grundlegend neu ordnen. Der Mutterkonzern Globalia bliebe mit rund 54 Prozent größter Anteilseigner. Auf den weiteren Plätzen würden sich Turkish Airlines mit 26 Prozent und die International Airlines Group (IAG), zu der British Airways und Iberia gehören, mit 20 Prozent einreihen.