Türkisches Statistikamt: Außenhandelsindizes im Juni deutlich gestiegen

14.08.2026 – 6:35 Uhr

Die türkische Exportwirtschaft verzeichnet einen massiven Wertzuwachs, der auf den ersten Blick wie ein Boom aussieht. Wie das Statistikamt TÜİK am 12. August mitteilte, stiegen die Preise im Außenhandel im Juni stark an. Ein genauerer Blick auf die Daten offenbart jedoch eine gefährliche Schieflage für die Wirtschaft des Landes.

So kletterte der Gesamtindex der Exportstückwerte im Jahresvergleich um 12,6 Prozent. Bei den Importen fiel der Anstieg mit 12,9 Prozent sogar noch etwas kräftiger aus. Besonders dramatisch ist die Entwicklung im Energiesektor: Die Preise für exportierte Brennstoffe schnellten um 40,7 Prozent in die Höhe. Auf der Importseite musste die Türkei für Treibstoffe sogar 39,3 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr.

Während die Preise steigen, zeigt die Menge der gehandelten Güter ein differenziertes Bild. Das Exportvolumen legte insgesamt um 8,1 Prozent zu. Bei den Importen verzeichnete die Türkei einen Mengenanstieg von 9 Prozent. Auffällig ist hierbei die große Nachfrage nach Nahrungsmitteln: Das Importvolumen von Lebensmitteln, Getränken und Tabak stieg um 46,8 Prozent. Im Gegensatz dazu sank die eingeführte Menge an Brennstoffen um 7,5 Prozent, obwohl die Preise horrend gestiegen sind.

Alarmstufe bei den “Terms of Trade”

Der kritischste Wert in der Statistik ist der Rückgang der „Terms of Trade“. Dieser Index misst das Verhältnis von Export- zu Importpreisen und gilt als Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Er fiel im Juni auf 90,1 Punkte (Vorjahr: 90,3). Ein Wert unter 100 bedeutet, dass die Türkei für ihre Exporte real weniger erlöst als sie für ihre Importe ausgeben muss. Das Land muss also mehr Waren verkaufen, um sich die gleiche Menge an Importen leisten zu können – ein Zeichen für einen schleichenden Wohlstandsverlust.

Ein Blick auf die kurzfristige Entwicklung deutet zudem auf eine Abschwächung der Exportdynamik hin. Saison- und kalenderbereinigt sank das Exportvolumen von Mai auf Juni um 5,5 Prozent. Das Importvolumen hingegen legte im gleichen Zeitraum kräftig um 8,3 Prozent zu.