Türkischer Zentralbank-Chef Karahan trotz Kriegsfolgen eisern: „Nichts ändert unseren Kurs“

07.05.2026 – 6:35 Uhr

Der Krieg im Nahen Osten erschwert den Kampf gegen die Inflation, doch die türkische Notenbank bleibt bei ihrem straffen Kurs kompromisslos. Zentralbank-Gouverneur Fatih Karahan erklärte am Dienstag vor dem Planungs- und Haushaltsausschuss des Parlaments, dass die geopolitischen Verwerfungen die Entschlossenheit der Währungshüter nicht untergraben würden.

Die seit Ende Februar andauernde militärische Auseinandersetzung zwischen den USA, Israel und dem Iran hinterlässt tiefe Spuren in den Preisdaten. „Wir spüren die Auswirkungen des Krieges deutlich, insbesondere bei den Energie- und Transportpreisen. Im April hat sich das klar in der Inflation niedergeschlagen“, wurde Karahan zitiert. Kurzfristig müsse mit anhaltenden energiegetriebenen Preiseffekten gerechnet werden. Mittelfristig hänge die Inflationsperspektive jedoch entscheidend von der eigenen geldpolitischen Reaktion ab. Diese Faktoren werde man bei künftigen Entscheidungen berücksichtigen, betonte der Notenbankchef.

Karahan machte vor allem Mieten und Bildungskosten als hartnäckige Preistreiber im Dienstleistungssektor aus. Diese würden teils durch rückwärtsgewandte Indexierung belastet. Immerhin habe sich der Preisauftrieb in diesen beiden Segmenten über das vergangene Jahr bereits merklich abgeschwächt und die Disinflation werde sich voraussichtlich fortsetzen. Die übrigen Dienstleistungspreise nähern sich unterdessen dem allgemeinen Verbraucherpreistrend an.

Mit scharfen Worten warnte der Gouverneur vor den globalen Konjunkturrisiken. Die Unsicherheit über die Weltwirtschaft habe durch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen drastisch zugenommen. Ein Einbruch der globalen Aktivität, steigende Inputkosten und zerrissene Lieferketten deuteten auf einen „signifikanten negativen Angebotsschock“ hin. Besonders brisant ist die mögliche Schließung der Straße von Hormus, da sie die weltweite Energieversorgung massiv gefährdet. Für das Jahr 2026 erwartet die Zentralbank daher eine deutliche Abkühlung der globalen Wachstumsdynamik. „Entsprechend rechnen wir mit einer schwächeren Auslandsnachfrage für die Türkei”, so Karahan.

Trotz des zunehmenden Gegenwinds bekräftigte der Gouverneur die unveränderte Priorität der Notenbank: „Der Krieg mag den Disinflationsprozess erschweren, aber er ändert nichts an unserer Entschlossenheit. Wir werden weiterhin alle geldpolitischen Instrumente im Einklang mit unserem Hauptziel, der Preisstabilität, einsetzen.“