Türkischer Wohnungsmarkt im Mai mit 31 Prozent weniger Verkäufen – schwächster Monat 2026

20.06.2026 – 6:31 Uhr

Der türkische Wohnimmobilienmarkt hat im Mai einen herben Rückschlag erlitten. Wie das Türkische Statistische Institut (TÜİK) am 18. Juni mitteilte, brachen die landesweiten Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 31,2 Prozent auf 93.333 Einheiten ein. Es ist der schwächste Mai-Wert seit 2026 und folgt auf einen vergleichsweise stabilen April mit 126.000 Verkäufen.

Besonders deutlich zeigt sich die Kaufzurückhaltung bei ausländischen Investoren. Deren Erwerbungen sanken um 27 Prozent auf 1 387 Wohneinheiten. An der Spitze der Käuferliste stehen weiterhin russische Staatsbürger mit 268 Einheiten, gefolgt von Iranern (125) und Ukrainern (88). Im Gesamtzeitraum Januar bis Mai summiert sich das Minus bei Ausländerkäufen auf 15,1 Prozent (7.068 Einheiten).

Der Gesamtmarkt schrumpfte in den ersten fünf Monaten um 6,6 Prozent auf 569 537 Verkäufe. Einziger Lichtblick: Hypothekenfinanzierte Käufe legten in dieser Periode um 25,8 Prozent auf 116 801 zu, obwohl sie im Mai selbst um 2,8 Prozent nachgaben.

Abwarten als Strategie

Marktexperten machen für den Einbruch vor allem ein massives Zins- und Kreditproblem verantwortlich. Trotz der gestiegenen Hypothekenzahlen im Jahresverlauf dämpfen hohe Kreditkosten und ein restriktiverer Finanzierungszugang die Nachfrage spürbar. Beobachter konstatieren eine weitverbreitete „Wait-and-See“-Mentalität: Viele potenzielle Käufer spekulieren auf baldige Zinssenkungen und schieben ihre Kaufentscheidungen auf. Parallel dazu halten sich auch Projektentwickler mit neuen Investitionen zurück.

Experte sieht “einmalige Gelegenheit”

Tarık Ongun, Vorstandsmitglied des Immobilienentwicklers Nurol GYO, deutet die Krise jedoch als Chance. „Für Käufer, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, stellt der reale Rückgang der Immobilienpreise eine Gelegenheit dar”, erklärt Ongun. Er verweist auf einen jährlichen Neubaubedarf von 800.000 Wohneinheiten und einen massiven Nachfragestau.

Ongun prognostiziert eine baldige Trendwende: „Wir gehen davon aus, dass sich die Kreditbedingungen in den Jahren 2027 und 2028 lockern, die Kaufkraft sich erholt und der Zugang zu Wohneigentum dadurch deutlich erleichtert wird.“ Auch die derzeit auf Eis liegenden Neubauprojekte dürften dann rasch realisiert werden und die Nachfrage nach neuer Wohnungsproduktion dürfte wieder zunehmen.