Türkischer Immobilienmarkt verharrt trotz hoher Nachfrage im Stillstand

02.07.2026 – 7:00 Uhr

Der türkische Wohnimmobilienmarkt befindet sich in einer paradoxen Starre. Obwohl die Nachfrage nach Wohneigentum grundsätzlich hoch ist, haben sich die Verkaufszahlen zuletzt deutlich abgekühlt. Branchenvertreter führen dies auf eine Kombination aus wieder steigenden Kreditzinsen, einem schwächelnden Goldpreis und wachsender politischer Unsicherheit zurück.

Bereits im Mai blieben die Verkaufszahlen verhalten. Marktbeobachter führten dies teilweise auf Feiertage und den Beginn der Urlaubssaison zurück. Der eigentliche Stillstand hat jedoch tiefere Gründe. Gegenüber der Tageszeitung Milliyet identifizieren Immobilienentwickler und Brancheninsider drei entscheidende Bremsfaktoren, die potenzielle Käufer derzeit in eine abwartende Haltung zwingen.

Das Ende des kurzen Zinstraums

Größtes Hindernis auf dem Weg in die eigenen vier Wände sind nach wie vor die Hypothekenzinsen. Eine leichte Entspannung Ende 2024, als die Sätze auf rund 2,89 Prozent sanken und sich 2025 im Korridor von 2,49 bis 2,69 Prozent bewegten, ist Geschichte. Im Laufe des zweiten Halbjahres 2026 zogen die Kosten wieder an. Aktuell liegt der günstigste verfügbare Zinssatz bei etwa 2,8 Prozent. Anstelle der erhofften Zinssenkung sehen sich Käufer mit steigenden Finanzierungskosten konfrontiert und schieben Kaufentscheidungen auf.

Gold lockt nicht mehr als Anzahlung

Parallel zu den hohen Kreditraten beeinflusst ein ungewöhnlicher externer Faktor das Marktgeschehen: der Goldpreis. Traditionell nutzen viele Türken Goldersparnisse als Eigenkapital für den Immobilienerwerb. Doch der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran hat den erwarteten Höhenflug des Edelmetalls bisher ausgebremst. Mit einem Preis von unter 6.000 Türkischen Lira pro Gramm (Stand: 30. Juni) sehen Anleger derzeit wenig Anreiz, ihre Bestände aufzulösen und in „Betongold” umzuschichten. Viele hoffen stattdessen auf eine Preiserholung im Schlussquartal des Jahres.

Patt zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei Preisen

Als dritter Belastungsfaktor erweist sich die große Kluft zwischen Angebotspreisen und den Preisen, zu denen Immobilien tatsächlich verkauft werden. Während die realen Immobilienwerte kaum Veränderungen aufweisen, orientieren sich vor allem Verkäufer von Bestandsimmobilien an den überhöhten Preisvorstellungen vergangener Boom-Phasen. Gebrauchte Wohnungen erreichen oft das Niveau von Neubauten, was die Kompromissbereitschaft der Käufer sinken lässt. Marktteilnehmer berichten, dass Käufer in der aktuellen Wirtschaftslage zunehmend selektiv vorgehen und aus einer stärkeren Verhandlungsposition heraus agieren.

Abgerundet wird das Klima der Vorsicht durch einen wachsenden politischen Faktor. In der Bevölkerung verfestigt sich zunehmend die Wahrnehmung, dass unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen vorgezogene Neuwahlen möglich seien. Diese Erwartungshaltung sorgt für zusätzliche Zurückhaltung, da Investoren vor weitreichenden Vermögensentscheidungen offenbar auf mehr politische Klarheit warten.