Der türkische Immobilienmarkt erlebt einen empfindlichen Dämpfer. Trotz anhaltend hoher Nachfrage brachen die Hausverkäufe im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent ein. Wie aus offiziellen Daten hervorgeht, wechselten landesweit nur noch 123.603 Wohneinheiten den Besitzer. Nach einer kurzen Erholung im Juni markiert dies den stärksten Rückgang seit Monaten.
Als entscheidendes Nadelöhr entpuppt sich dabei zunehmend die Finanzierung des Eigenkapitals – und ein unerwarteter Übeltäter: der Goldpreis. Was lange als sicherer Hafen für die Ersparnisse türkischer Haushalte galt, entwickelt sich nun zur Hypothek für den Traum vom Eigenheim.
Laut einem Bericht der Tageszeitung Milliyet hat die schwache Performance des Edelmetalls in den vergangenen fünf Monaten viele Anleger in eine Zwickmühle gebracht. Wer sein in Gold angelegtes Vermögen nicht mit Verlusten auflösen will, ist schlichtweg nicht in der Lage, die notwendige Anzahlung für eine Immobilie aufzubringen. Die Folge: Kaufentscheidungen werden massenhaft verschoben.
Das Problem durchzieht sämtliche Segmente des Marktes. Neben dem klassischen Bankkredit sind auch die sogenannten „Evim“-Systeme (Mein Zuhause) betroffen – zinsfreie Bausparmodelle, die in der Türkei boomen. In diesem System ist ein hoher Eigenkapitalanteil der Schlüssel zum schnellen Vertragsabschluss. Wer sein Gold jedoch nicht versilbern kann oder will, verliert auch hier den Wettlauf um die begehrten Verträge und muss sich zurückziehen.
Dabei wären die Rahmenbedingungen für Käufer mit liquiden Mitteln derzeit eigentlich günstig. Laut Daten der Zentralbank sind die Immobilienpreise real gefallen. In 28 der letzten 29 Monate blieb der Preisanstieg unter der Inflationsrate. Rechnerisch eröffnet sich dadurch Schnäppchen-Potenzial, doch der schrumpfende Spielraum bei der Anzahlung macht diese Chance zunichte.
Parallel dazu verschlechtern sich die Konditionen am Kreditmarkt. Die Banken haben ihre Hypothekenzinsen seit dem zweiten Quartal spürbar angehoben. So kletterte der günstigste verfügbare Zinssatz von 2,49 auf 2,87 Prozent. Zudem sind die Sonderkampagnen der Institute, die zuvor für eine Senkung der Finanzierungskosten gesorgt hatten, weitgehend ausgelaufen.
Die Gemengelage aus hohen Immobilienpreisen, steigenden Kreditzinsen und schwindender Kaufkraft der Ersparnisse lässt den Markt trotz hoher Nachfrage abkühlen. Experten rechnen erst mit einer Belebung, wenn sich entweder der Goldpreis erholt oder die Haushalte bereit sind, ihre Verluste beim Edelmetall zu realisieren, um sich den Traum vom Eigenheim doch noch zu erfüllen.