Finanzminister Şimşek trotz Teuerung zuversichtlich: “Inflation seit 50 Monaten nicht so niedrig”

03.03.2026 – 13:00 Uhr

Finanzminister Mehmet Şimşek wertete die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei als Erfolg, gab jedoch zu, dass saisonale Faktoren und religiöse Feiertage weiterhin für Preissteigerungen sorgen. Bei einem Wirtschaftstreffen in Istanbul warb der Minister für Geduld: In drei bis fünf Monaten werde sich ein „deutlich anderes Bild” zeigen.

Die Teuerungsrate sei auf dem niedrigsten Stand der vergangenen 50 Monate gesunken, betonte Şimşek. Dies belege die Wirksamkeit des Regierungsprogramms. Zugleich räumte er ein, dass die Inflationsbekämpfung zuletzt einen Dämpfer erhalten habe. Verantwortlich dafür seien vor allem temporäre Preisspitzen bei Nahrungsmitteln im Januar und Februar gewesen.

„Leider sehen wir auch im Februar aufgrund der Ramadan-Zeit Preiserhöhungen”, sagte der Minister. Während weltweit die Preise an Feiertagen sinken, steigen sie in der Türkei. Dies sei ein Phänomen, das ernsthafte Reflexion verdiene. Die starken Niederschläge der vergangenen Wochen stimmten ihn jedoch für die Landwirtschaft und die weitere Preisentwicklung zuversichtlich.

Şimşek unterteilte die wirtschaftliche Neuausrichtung des Landes in drei Phasen. In der ersten sei es gelungen, Risiken zu managen, zu einer regelgebundenen Marktwirtschaft zurückzukehren und ein Abrutschen in eine Zahlungsbilanzkrise zu verhindern. Trotz der enormen Ausgaben infolge der Erdbebenkatastrophe sei das Haushaltsdefizit im Rahmen geblieben.

Der Minister verbuchte den Aufbau von Währungsreserven und die geordnete Abwicklung des Einlagenschutzsystems (KKM) als Erfolge der zweiten Phase. Die Devisenreserven der Zentralbank haben die Marke von 200 Milliarden Dollar überschritten, während die Nettokredite des Bankensektors gestiegen sind. Zudem habe sich die Risikoprämie (CDS) für türkische Staatsanleihen deutlich besser entwickelt als in vergleichbaren Schwellenländern.

Laut Şimşek befindet sich die Türkei nun in der dritten Phase des Programms. Das Ziel besteht darin, die Inflation im Alltag weniger spürbar zu machen und den Weg zu einstelligen Teuerungsraten zu ebnen. So sei die Dienstleistungsinflation von 91 auf rund 40 Prozent gesunken und bei der Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) werde sogar nur noch eine Rate von 17,5 Prozent ausgewiesen.

Für die Zukunft kündigte der Finanzminister Strukturreformen an, um die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Realwirtschaft zu steigern. Das Haushaltsdefizit soll dauerhaft unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts bleiben und die Leistungsbilanzlücke soll mittelfristig auf unter ein Prozent gedrückt werden.