Türkische Zentralbank: Starre Preise und Angebotsschocks halten Inflation hoch

19.03.2026 – 13:00 Uhr

ANKARA – Laut der Zentralbank der Türkei hielten starre Preisstrukturen, nur teilweise an Zielwerte angepasste Inflationserwartungen sowie vorübergehende Angebotsschocks die Inflation im Jahr 2025 über der Unsicherheitsbandbreite ihres Zielwerts. Dies geht aus einem offenen Brief der Bank an Finanzminister Mehmet Şimşek hervor.

Die Zentralbank erklärte, dass der Disinflationsprozess, der im Juni 2024 begonnen hatte, auch 2025 anhielt. Unterstützt wurde dieser von straffer Geldpolitik, engen Finanzierungsbedingungen und ausgewogenerer Nachfrage. Dennoch verlangsamten angebotsseitige Entwicklungen, rigides Preisverhalten und teilweise nicht zielkonforme Erwartungen die Rückführung der Inflation.

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählten Dürren und Frost, die die Lebensmittelpreise in die Höhe trieben, sowie die Volatilität der Energiepreise aufgrund geopolitischer Entwicklungen. Darüber hinaus blieben Preissteigerungen in Mieten und Bildung hoch, wo rückwirkende Indexierungen stark wirken. Die Nachfrageseite zeigte im Jahresverlauf dagegen weiterhin disinflationäre Tendenzen, während das Haushaltsdefizit mit 2,9 Prozent des BIP moderat blieb.

Die Bank verfolgte 2025 eine vorsichtige, auf Inflation ausgerichtete Politik, die an jedem Sitzungsdatum neu bewertet wurde. Im Januar und März wurden die Leitzinsen insgesamt um 500 Basispunkte auf 42,5 Prozent gesenkt, im März zur Eindämmung von Marktrisiken der Übernachtkreditzins auf 46 Prozent angehoben und im April der Leitzins auf 46 Prozent erhöht. Danach blieb der Zinssatz im Juni unverändert, sank über das restliche Jahr hinweg in mehreren Schritten um insgesamt 800 Basispunkte auf 38 Prozent bis Dezember und wurde im Januar 2026 leicht auf 37 Prozent reduziert.

Zudem setzte die Zentralbank makroprudenzielle Maßnahmen um, wie die Beendigung von FX-geschützten Einlagen (KKM) und die Erhöhung des Anteils türkischer Lira-Einlagen, um die geldpolitische Transmission zu stärken.

Die Bank betonte, dass sie die Geldpolitik verschärfen würde, sollte sich der Inflationsausblick deutlich verschlechtern. Ihre kurz- und mittelfristige Strategie ist im „Inflationsbericht 2026-I“ sowie im begleitenden Text „Geldpolitik 2026“ dargelegt, beide veröffentlicht am 12. Februar.