Die türkische Zentralbank sieht die Außenhandelsbilanz des Landes trotz stark gestiegener Energieimporte im zweiten Quartal 2026 insgesamt verbessert. Entscheidend dafür seien robuste Exportzahlen sowie ein Rückgang der Nicht-Energieimporte gewesen, heißt es in einer am 6. Juli veröffentlichten Analyse.
Demnach hätten geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise zunächst eine Belastung für die Außenwirtschaft erwarten lassen. Tatsächlich habe sich das Bild jedoch anders entwickelt.
Energiepreise steigen deutlich – Importe legen stark zu
Im Zuge internationaler Konflikte stiegen die Rohstoffpreise spürbar. Der durchschnittliche Preis für Brent-Öl lag im zweiten Quartal rund 55 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, Erdgas verteuerte sich um etwa 28 Prozent.
Entsprechend erhöhten sich auch die energiebezogenen Importe der Türkei deutlich. Diese stiegen kalenderbereinigt um 32,4 Prozent im Jahresvergleich. Laut Analyse spielten dabei neben Preisen auch Lieferverträge und Beschaffungszeitpunkte eine Rolle.
Exporte stabilisieren Außenhandel
Trotz der höheren Importkosten blieben die Exporte stark. Besonders Lieferungen nach Europa sowie vorsorgliche Bestellungen internationaler Abnehmer hätten die Nachfrage gestützt. Auch Verschiebungen in globalen Lieferketten hätten türkischen Unternehmen Vorteile verschafft.
So hätten längere Transportzeiten, höhere Frachtkosten und Unsicherheiten im Fernost-Handel dazu geführt, dass sich die Nachfrage teilweise auf die Türkei verlagert habe.
Struktur der Importe verändert sich
Während Energieimporte stark stiegen, gingen andere Importkategorien zurück. Vor allem Investitions- und Konsumgüterimporte nahmen aufgrund der schwächeren Binnenkonjunktur ab. Dies habe den Gesamteffekt teilweise ausgeglichen.
Auch die straffe Geldpolitik habe die Inlandsnachfrage gedämpft und damit die Importstruktur beeinflusst.
Ausblick: Geringere Risiken für Leistungsbilanz
Die Zentralbank betont, dass der negative Effekt hoher Energiepreise durch die starke Exportentwicklung weitgehend kompensiert wurde. Im Vergleich zu früheren Krisenphasen, etwa während des Ukraine-Krieges 2022, sei der Druck auf die Außenwirtschaft derzeit geringer.
Insgesamt deute die Entwicklung darauf hin, dass die Risiken für das Leistungsbilanzdefizit trotz geopolitischer Unsicherheiten zuletzt abgenommen hätten.