Die türkische Regierung hat ihr neues Mittelfristprogramm für die Jahre 2027 bis 2029 vorgelegt und erntet dafür breite Zustimmung aus der Wirtschaft. Führende Verbände sehen in dem Papier einen wichtigen Kompass für Produktion, Export und nachhaltiges Wachstum. Doch bei einem zentralen Punkt bleiben Zweifel: der Finanzierung.
Der Vorsitzende der Istanbuler Handelskammer, Şekib Avdagiç, sprach von einem positiven Schritt. Das Programm setze umfassend auf Produktionsförderung, Exportstärkung und die Anwerbung internationaler Investitionen. Entscheidend sei nun, dass daraus konkrete und dauerhafte Mechanismen entstünden, die Unternehmen den Zugang zu Kapital erleichterten. Avdagiç forderte zugleich eine entschlossene Umsetzung der Inflationsbekämpfung. Der dadurch entstehende Spielraum müsse schrittweise in eine Normalisierung der Zinsen übersetzt werden.
Mustafa Gültepe, der Vorsitzende der Türkischen Exportversammlung, hob hervor, dass das neue Programm vorsichtiger formuliert sei als frühere Versionen und globalen Unsicherheiten Rechnung trage. Besonders positiv bewertete er die besondere Aufmerksamkeit für die Produktions- und Exportkapazität der Industrie. Er bewertete es positiv, dass Finanzierungshilfen, Betriebskapital und arbeitsintensive Branchen konkreter adressiert würden. „Unsere Erwartung ist, dass die angekündigten Maßnahmen in der Praxis auch spürbar ankommen”, sagte Gültepe.
Auch Nail Olpak, der Vorsitzende des Außenwirtschaftsrats, begrüßte das Programm als Orientierung für die kommenden drei Jahre. Entscheidend sei die Betonung der Wachstumsqualität. Produktivitätsgewinne, hochwertige Produktion, starke Exporte und qualifizierte Beschäftigung machen die Wirtschaft widerstandsfähiger gegen externe Schocks. Gleichzeitig betonte Olpak, dass der Erfolg des Programms für Unternehmen vor allem an einem Punkt gemessen werde: dem Zugang zu angemessenen Finanzierungen. Dafür seien bessere Laufzeiten und Kosten bei Investitionskrediten sowie gezielte Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen notwendig.
Besonders lobte Olpak ein neues Kapitel mit dem Titel „Wirtschaftliche Sicherheit und Resilienz“, das erstmals in einem solchen Programm auftaucht. Es umfasst unter anderem die Energie- und Gasversorgung, die Ernährungssicherheit, die heimische Produktion kritischer Technologien sowie die soziale Widerstandsfähigkeit. Damit reagiert die Türkei auf die wachsenden globalen Herausforderungen.
Trotz aller Zustimmung bleibt der Ton der Wirtschaftsvertreter abwartend: Die eigentliche Bewährungsprobe stehe noch bevor, nämlich die praktische Umsetzung.