Istanbul, 31. August 2026 – Die türkische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 2,3 Prozent gewachsen. Das geht aus den am Montag veröffentlichten Daten des Türkischen Statistikamtes (TÜİK) hervor.
Gegenüber dem ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saison- und kalenderbereinigt um 1,1 Prozent zu.
Landwirtschaft verzeichnet stärkstes Wachstum
Unter den wichtigsten Wirtschaftsbereichen verzeichneten Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei mit einem Plus von 13,3 Prozent das stärkste Wachstum im Zeitraum von April bis Juni.
Der Bereich Information und Kommunikation wuchs um 8,6 Prozent. Öffentliche Verwaltung, Bildung, Gesundheitswesen und soziale Dienstleistungen legten um 4 Prozent zu.
Weitere Wachstumsraten verzeichneten sonstige Dienstleistungen mit 3,2 Prozent, die Industrie mit 2,4 Prozent sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und Immobilienwirtschaft mit jeweils 2,1 Prozent.
Die Bereiche freiberufliche, administrative und unterstützende Dienstleistungen wuchsen um 2 Prozent. Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie legten dagegen lediglich um 0,5 Prozent zu.
Der einzige größere Wirtschaftsbereich mit einem Rückgang war das Baugewerbe, das 1,9 Prozent unter dem Vorjahreswert lag.
BIP steigt nominal um 36 Prozent
Zu laufenden Preisen erhöhte sich das türkische BIP im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 36 Prozent auf rund 19,87 Billionen türkische Lira. Das entspricht nach offiziellen Angaben etwa 438,35 Milliarden US-Dollar.
Der private Konsum stieg preisbereinigt um 3,5 Prozent, während die staatlichen Konsumausgaben um 1,8 Prozent zurückgingen.
Die Bruttoanlageinvestitionen, ein wichtiger Indikator für die Investitionstätigkeit, erhöhten sich um 0,6 Prozent.
Bei den Außenhandelsdaten gingen die Exporte von Waren und Dienstleistungen um 3,4 Prozent zurück. Die Importe sanken noch stärker und lagen 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Şimşek sieht Wirtschaft auf stabilerem Fundament
Finanz- und Finanzminister Mehmet Şimşek erklärte, das annualisierte Nationaleinkommen der Türkei habe im zweiten Quartal mehr als 1,7 Billionen US-Dollar erreicht.
Das Wachstum sei ausgewogen gewesen und sowohl von der Binnen- als auch von der Auslandsnachfrage getragen worden. Neben dem Anstieg des privaten Konsums um 3,5 Prozent und der Investitionen um 0,6 Prozent habe insbesondere die Nettoauslandsnachfrage positiv zum Wachstum beigetragen.
Das annualisierte Leistungsbilanzdefizit habe bei 38,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 2,3 Prozent des BIP gelegen. Şimşek bezeichnete dieses Niveau als nachhaltig.
Nach Einschätzung des Ministers stärken die verbesserten makroökonomischen Fundamentaldaten die Widerstandsfähigkeit der türkischen Wirtschaft gegenüber externen Schocks. Mit den Fortschritten bei der Inflationsbekämpfung und günstigeren globalen Rahmenbedingungen dürfte sich das Wachstum allmählich beschleunigen.
Türkische Wirtschaft wächst 2025 um 3,7 Prozent
Unterdessen veröffentlichte TÜİK auch die endgültigen Jahresdaten für 2025. Demnach wuchs die türkische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent.
Das BIP zu laufenden Preisen stieg um 41,6 Prozent auf 63,24 Billionen Lira. Das BIP pro Kopf lag bei 714.682 Lira beziehungsweise 18.103 US-Dollar.
Den größten Anteil an der Wirtschaftsleistung hatte das verarbeitende Gewerbe mit 15,6 Prozent. Es folgten der Groß- und Einzelhandel einschließlich der Reparatur von Kraftfahrzeugen mit 12,9 Prozent sowie die Immobilienwirtschaft mit 9,2 Prozent.
Das stärkste sektorale Wachstum verzeichnete 2025 das Baugewerbe mit einem Plus von 11 Prozent. Kunst, Unterhaltung und Erholung legten um 8,5 Prozent zu, der Bereich Information und Kommunikation um 7,9 Prozent.
Dagegen schrumpften Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei um 8,5 Prozent. Die Bereiche Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung verzeichneten einen Rückgang von 5 Prozent.
Die privaten Konsumausgaben stiegen 2025 um 4,2 Prozent und machten 54,4 Prozent des BIP aus. Die Bruttoanlageinvestitionen erhöhten sich um 7,3 Prozent, die staatlichen Konsumausgaben um 1 Prozent.
Die Exporte von Waren und Dienstleistungen gingen um 0,6 Prozent zurück, während die Importe im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent zunahmen.