Türkische Wirtschaft wächst 2025 um 3,6 Prozent – Bau boomt, Landwirtschaft schwächelt

02.03.2026 – 11:10 Uhr

Trotz eines deutlichen Einbruchs in der Landwirtschaft und einer verhaltenen Industriekonjunktur hat sich die türkische Wirtschaft im vergangenen Jahr überraschend robust gezeigt. Wie das nationale Statistikinstitut TÜİK am Sonntag mitteilte, wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2025 um 3,6 Prozent.

Allein im vierten Quartal legte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,4 Prozent zu. Saison- und kalenderbereinigt ergab sich gegenüber dem dritten Quartal 2025 ein Plus von 0,4 Prozent.

Baugewerbe als Wachstumslokomotive

Als klarer Gewinner des Jahres erwies sich das Baugewerbe. Mit einem Plus von 10,8 Prozent setzte sich die Branche an die Spitze aller Wirtschaftsbereiche. Auch der Informations- und Kommunikationssektor verzeichnete mit 8,0 Prozent ein deutliches Wachstum. Die Industrie als traditionelles Standbein hinkte mit einem Zuwachs von lediglich 2,9 Prozent hinterher. Die Landwirtschaft musste sogar einen drastischen Rückgang von 8,8 Prozent hinnehmen.

Binnenmotor läuft – Außenhandel bremst

Wichtigster Treiber der Konjunktur blieb einmal mehr die Nachfrage der Verbraucher. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen im Gesamtjahr um 4,1 Prozent und machten damit mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Auch die Investitionen in Ausrüstungen und Bauten (Bruttoanlageinvestitionen) stiegen um 5,4 Prozent.

Weniger Rückenwind kam hingegen vom Außenhandel: Während die Exporte von Waren und Dienstleistungen im Jahresverlauf leicht um 0,3 Prozent nachgaben, legten die Importe um 4,9 Prozent zu. Damit verringerte sich der positive Beitrag des Außenhandels zum Wachstum.

Die hohe Inflation spiegelt sich in den nominalen Zahlen wider: So schnellte das BIP zu aktuellen Preisen um 41,3 Prozent auf 63 Billionen Türkische Lira hoch. Die Statistikbehörde bezifferte das Pro-Kopf-Einkommen auf umgerechnet 18.040 Dollar.

Lohnstückkosten unter Druck

Trotz eines nominellen Anstiegs der Arbeitnehmerentgelte um 40,4 Prozent blieb die Umverteilung hinter der Wertschöpfung zurück. Die Nettobetriebsüberschüsse und Selbstständigeneinkommen (gemischtes Einkommen) legten mit 44,2 Prozent stärker zu. Die Lohnquote, also der Anteil der Arbeitnehmerentgelte an der gesamten Wirtschaftsleistung, sank leicht von 37,0 auf 36,9 Prozent.