Die türkische Wettbewerbsbehörde hat ein Verfahren gegen den US-amerikanischen Technologiekonzern Google eingeleitet. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Geschäftsvereinbarungen rund um das Betriebssystem Android sowie jüngste Änderungen der Regeln für App-Entwickler. Die Behörde vermutet, dass diese Praktiken den Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt einschränken könnten.
Wie das Competition Board mitteilte, geht die Prüfung auf Erkenntnisse aus einer umfassenden Analyse des sogenannten mobilen Ökosystems zurück. Insbesondere soll untersucht werden, ob Vertragsregelungen, die nach einer früheren Android-Entscheidung aus dem Jahr 2018 eingeführt wurden, gegen das türkische Wettbewerbsrecht verstoßen.
Konkret prüfen die Wettbewerbshüter, ob Google seine Suchdienste durch technische Vorgaben faktisch bevorzugt. Dazu zählen unter anderem das vorinstallierte Google-Suchwidget und die enge Verzahnung der Google-Suche mit Anwendungen wie dem Chrome-Browser und dem Sprachassistenten Google Assistant. All dies könnte der Suchmaschine des Konzerns einen strukturellen Vorteil gegenüber konkurrierenden Angeboten verschaffen.
Auch die Rolle des Chrome-Browsers selbst steht im Fokus der Ermittlungen. Die Behörde will klären, ob Google diesem Produkt besondere Vorteile einräumt, die den Wettbewerb auf dem Markt für Internetbrowser beeinträchtigen. Darüber hinaus wird untersucht, ob Gerätehersteller, die Android lizenzieren, in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, alternative Betriebssysteme zu entwickeln oder auf Android basierende Lösungen von Drittanbietern zu nutzen.
Neben den Vereinbarungen mit Hardware-Herstellern nimmt das Competition Board auch neue Vorgaben für App-Entwickler unter die Lupe. Diese wurden im Rahmen des sogenannten „Android Developer Verification Program“ eingeführt und verpflichten Entwickler zu zusätzlichen Anforderungen. Die Behörde prüft nun, ob diese Regelungen eine unzulässige Marktabschottung darstellen könnten.