Die türkische Wettbewerbsbehörde hat ein Kartellverfahren gegen 26 große Unternehmen aus den Branchen Finanzen und Technologie eingeleitet. Ihnen wird vorgeworfen, sich illegal über Gehälter und Personalpolitik abgesprochen zu haben.
Wie die Behörde am Donnerstag mitteilte, steht der Verdacht im Raum, dass die Firmen sogenannte „No-Poaching“-Vereinbarungen getroffen haben. Bei diesen informellen Absprachen verpflichten sich die Unternehmen, keine Mitarbeiter der jeweils anderen abzuwerben. Zudem sollen die Konzerne wettbewerbsrelevante Informationen über Arbeitsbedingungen und Vergütungen ausgetauscht haben, was gegen das Gesetz zum Schutz des Wettbewerbs verstoßen würde.
Die Kartellbehörde betonte, dass eine vorläufige Prüfung ausreichend ernsthafte Hinweise auf eine Einschränkung des Wettbewerbs ergeben habe. Die nun gestartete Untersuchung soll endgültig klären, ob eine strafbare Absprache vorliegt. Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt jedoch die Unschuldsvermutung. Die Einleitung der Untersuchung selbst ist noch kein Schuldnachweis.
Die Liste der betroffenen Unternehmen liest sich wie das Who-is-Who der türkischen Finanzwelt. Darunter finden sich namhafte Privatbanken wie Akbank, Garanti Bank, İş Bankası und Yapı ve Kredi Bankası, aber auch internationale Institute wie HSBC und ING. Im Visier stehen zudem mehrere Beteiligungsbanken, darunter Kuveyt Türk und Albaraka Türk. Auch große Versicherungsgesellschaften wie Aksigorta und Bupa Acıbadem Sigorta sind von der Untersuchung betroffen. Abgerundet wird der Kreis durch Technologiedienstleister wie Paycore Payment Services, Softtech und Verisoft.
Sollte sich der Vorwurf wettbewerbswidriger Absprachen auf dem Arbeitsmarkt bestätigen, drohen den Unternehmen empfindliche Geldstrafen. Laut Experten zielen solche Verfahren darauf ab, den freien Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern und eine Unterdrückung der Löhne durch geheime Absprachen zu verhindern.