Die Türkei baut ihre Stellung als aufstrebende Rüstungsnation weiter aus. Wie aus dem am Montag veröffentlichten Bericht des renommierten Friedensforschungsinstituts SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) hervorgeht, hat das Land seinen Anteil an den globalen Waffenexporten zwischen 2021 und 2025 mehr als verdoppelt.
Mit einem Anstieg von 0,9 Prozent im Zeitraum 2016–2020 auf nun 1,8 Prozent in den vergangenen fünf Jahren verzeichnet die Türkei ein explosives Wachstum von 122 Prozent. Damit kletterte das Land im Ranking der größten Waffenexporteure weltweit auf den elften Platz.
Hauptabnehmer türkischer Rüstungsgüter waren in diesem Zeitraum vor allem Staaten aus Asien und dem Nahen Osten. An der Spitze der Empfängerliste steht Pakistan, das 16 Prozent der türkischen Ausfuhren erhielt. Es folgen die Vereinigten Arabischen Emirate mit zwölf Prozent und die Ukraine mit 8,4 Prozent. Die Gesamtexporte der türkischen Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie erreichten im Jahr 2025 mit 10,05 Milliarden US-Dollar einen historischen Höchststand.
Der jüngste Aufwärtstrend setzt sich auch im laufenden Jahr fort. Laut Daten des türkischen Exporteursverbandes (TİM) stiegen die Ausfuhren der Branche in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35,1 Prozent auf 1,11 Milliarden US-Dollar. Allein im Februar wurde mit 553,4 Millionen US-Dollar ein Plus von 27,2 Prozent erzielt. Damit setzt die Branche ihren steilen Aufstieg fort, nachdem sie 2011 erstmals die Milliardenschwelle überschritten hatte und 2022 noch bei rund 250 Millionen US-Dollar lag.
Während die Türkei ihre Exporte massiv ausweitet, reduziert sie gleichzeitig ihre Abhängigkeit von ausländischen Waffen. Laut dem Bericht sanken die türkischen Rüstungsimporte im Zeitraum 2021–2025 um 9,7 Prozent. Der Anteil des Landes an den globalen Waffenimporten sank auf 1,2 Prozent, wodurch die Türkei nun den 24. Platz belegt.
Europa treibt globalen Waffenhandel an
Die beeindruckenden Zahlen der Türkei sind Teil einer globalen Entwicklung: Das Gesamtvolumen des internationalen Waffenhandels stieg im Berichtszeitraum 2021–2025 im Vergleich zu den vorangegangenen fünf Jahren um 9,2 Prozent. Haupttreiber dieses Booms ist Europa. Laut SIPRI stiegen die Waffenimporte europäischer Länder um dramatische 210 Prozent. Damit ist der Kontinent mit einem Anteil von 33 Prozent zum größten Empfänger von Rüstungsgütern weltweit geworden.
Als Hauptgrund nennt das Institut die Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. „Die Lieferungen in die Ukraine seit 2022 sind der offensichtlichste Faktor, aber auch die meisten anderen europäischen Staaten haben begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren, um ihre militärischen Fähigkeiten angesichts der wahrgenommenen wachsenden Bedrohung durch Russland zu stärken”, erklärte Mathew George, Direktor des SIPRI-Programms für Waffentransfers. Fast die Hälfte dieser Lieferungen nach Europa (48 Prozent) stammte aus den USA.
Die Vereinigten Staaten bleiben mit einem Anteil von 42 Prozent an allen internationalen Waffentransfers die mit Abstand dominierende Exportnation – ein Anstieg gegenüber 36 Prozent im vorherigen Fünfjahreszeitraum. Frankreich festigte mit einem Anteil von 9,8 Prozent seinen Platz als zweitgrößter Exporteur. Russland hingegen musste als einziger der Top-Ten-Länder einen Rückgang seiner Ausfuhren hinnehmen. Deutschland überholte China und wurde mit 5,7 Prozent zum viertgrößten Waffenexporteur der Welt.