Angesichts zunehmender Konkurrenz aus China und Indien auf dem europäischen Kernmarkt hat die türkische Textilindustrie einen strategischen Plan vorgestellt, um potenzielle Verluste durch eine Expansion in die USA auszugleichen.
Der Präsident des Istanbul Textile and Raw Materials Exporters’ Association (İTHİB), Ahmet Öksüz, betonte auf der Premiere Vision Messe in Paris (3.–5. Februar), dass ein Freihandelsabkommen (FTA) mit den USA oder ein branchenspezifisches Präferenzhandelsabkommen (PTA) inzwischen eine strategische Notwendigkeit darstellt.
Die türkische Textil- und Rohstoffbranche erzielte 2025 Exporte im Wert von 11,4 Milliarden US-Dollar; zusammen mit Bekleidung belief sich der Export auf 26 Milliarden US-Dollar. Während das Exportziel für 2025 erreicht wurde, zeigt die globale Entwicklung, dass neue Initiativen erforderlich sind, um Marktanteile zu sichern.
Öksüz warnte, dass China und Indien gezielt den europäischen Markt ins Visier nehmen: China will Marktanteile zurückgewinnen, die durch hohe US-Zölle verloren gingen, und Indien profitiert von einem kürzlich abgeschlossenen FTA mit der Europäischen Union, das ab 2027 in Kraft tritt. Dies gefährde den Zollunion-Vorteil der Türkei in Europa.
„Dieses Abkommen wird uns direkt treffen. Wir müssen die Verhandlungen über ein FTA mit den USA beschleunigen, um Verluste in Europa auszugleichen. Ein solches Abkommen ist inzwischen strategisch unerlässlich“, erklärte Öksüz. Er fügte hinzu, dass die Türkei zwar einen ausgeglichenen Handel mit den USA unterhalte, die Vorteile aber weiterhin bei Washington liegen – und Textilien daher ein entscheidendes Instrument in den Verhandlungen seien.
Derzeit hält die Türkei einen bescheidenen Marktanteil von drei Prozent am US-Textilimportmarkt. Öksüz zufolge könnte ein bilaterales Handelsabkommen diesen Anteil innerhalb von zwei Jahren auf fünf Prozent steigern. 2025 exportierte die Türkei Textilien und Rohstoffe im Wert von 792 Millionen US-Dollar in die USA. Mit einem FTA könnte dieser Wert innerhalb von zwei Jahren auf 1,32 Milliarden US-Dollar steigen – ein klarer Beleg für das Bestreben der Branche, neue Chancen auf dem amerikanischen Markt zu erschließen.