Während geopolitische Spannungen weltweit zunehmen, richtet sich der Blick der internationalen Rüstungsbranche derzeit auf Paris. Auf der Fachmesse Eurosatory präsentiert sich die türkische Verteidigungsindustrie so geschlossen und offensiv wie nie zuvor und macht den etablierten Akteuren mit einer Flut neuer Technologien Konkurrenz.
Bis zum 19. Juni zeigen in Villepinte bei Paris mehr als 2.000 Aussteller aus 65 Nationen ihre neuesten Produkte. Mit über 50 Unternehmen ist die Türkei einer der größten nationalen Blöcke auf dem weitläufigen Messegelände. Der staatlich orchestrierte Auftritt unterstreicht Ankaras Anspruch, sich dauerhaft unter den weltweit führenden Waffenexporteuren zu etablieren.
Bereits am ersten Messetag verzeichneten die türkischen Stände ungewöhnlich starken Zulauf von Militärdelegationen und Einkäufern. Besonders die Abwehr gegen Drohnen sowie die neuen eigenen Kamikaze-Fluggeräte stehen im Fokus. ASELSAN, einer der Hauptsponsoren der Messe, hat seine Systeme zur elektronischen Kriegsführung gezielt in den Vordergrund gerückt. Dazu gehört eine Palette von Störsendern und Sensoren, die gegnerische unbemannte Flugkörper nicht nur erkennen, sondern auch durch sanfte oder harte Maßnahmen ausschalten sollen. Ebenfalls ausgestellt wird die Weiterentwicklung der heimischen „Loitering Munition”, also präziser Streumunition, die minutenlang über dem Gefechtsfeld kreist.
Neben Handfeuerwaffen wie dem Bora-12-Scharfschützengewehr stellt das staatliche Unternehmen MKE vor allem Schutzsysteme für den atomaren, biologischen und chemischen Ernstfall in den Mittelpunkt. Die vorgestellten CBRN-Lösungen (chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear) stammen den Firmenangaben zufolge vollständig aus lokaler Entwicklung und zielen auf den Export in Regionen ab, die eine Eskalation mit Massenvernichtungswaffen fürchten.
Der Rüstungsriese Roketsan, der vor allem für seine weitreichenden Artillerieraketen bekannt ist, legt den Schwerpunkt auf Lenkflugkörper und Abschussplattformen. Nach Konzernangaben führt er bereits vertiefte Gespräche mit potenziellen Abnehmerstaaten. Der türkische Auftritt wird durch Software- und Simulationsspezialisten wie HAVELSAN ergänzt, die Gefechtsfeld-Management-Lösungen vorführen.
Die massive Präsenz türkischer Firmen auf der Eurosatory wird von Branchenbeobachtern als klares Signal gewertet. Ankara will aus dem Schatten der klassischen NATO-Partner treten und sein Image vom reinen Drohnen-Lieferanten zum integrierten Systemhaus für Land- und Luftverteidigung schärfen.