Die türkische Zentralbank rechnet in den kommenden Monaten mit einer Beschleunigung der Desinflation. Zentralbankchef Fatih Karahan sieht insbesondere nachlassende angebotsseitige Belastungen als wichtigen Faktor für die weitere Entwicklung.
Der Präsident der türkischen Zentralbank, Fatih Karahan, erwartet eine zunehmende Dynamik beim Rückgang der Inflation. Bei einer Veranstaltung in Istanbul erklärte Karahan, dass sich der zugrunde liegende Inflationstrend nach einer zwischenzeitlichen Verschärfung wieder abgeschwächt habe.
Während die Auswirkungen des Krieges zwischen März und Juni stärker spürbar gewesen seien, habe der zugrunde liegende Trend ab Juli wieder nach unten gezeigt.
Kerntrend deutlich unter Jahresinflation
Auf annualisierter Basis habe der zugrunde liegende Inflationstrend während der Kriegsphase zeitweise rund 30 Prozent erreicht. Im September habe er noch bei 23,7 Prozent gelegen, erklärte Karahan.
Damit liege der zugrunde liegende Trend rund sechs Prozentpunkte unter der aktuellen Jahresinflation. Dass dieser Wert unterhalb der jährlichen Inflationsrate liege, sei ein wichtiges Signal für die weitere Entwicklung.
Sollten die angebotsseitigen Belastungen weiter nachlassen, dürfte sich der Prozess der Desinflation nach Einschätzung Karahans beschleunigen.
Straffe Geldpolitik bremst Nachfrage
Karahan führte die Entwicklung unter anderem auf die Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik der Zentralbank zurück. Die Inlandsnachfrage habe sich infolge der straffen geldpolitischen Bedingungen deutlich abgeschwächt.
Insbesondere bei Gütern und Dienstleistungen, die stärker von der Geldpolitik beeinflusst werden, sei der Rückgang der Inflation bereits deutlicher zu erkennen.
Nach Einschätzung des Zentralbankchefs dürfte die Desinflation wieder an Dynamik gewinnen, wenn die Auswirkungen verschiedener Schocks nachlassen und die straffe geldpolitische Ausrichtung ihre Wirkung weiter entfaltet.
Inflationserwartungen bleiben entscheidend
Gleichzeitig bleiben laut Karahan die Inflationserwartungen und das Preisverhalten wichtige Faktoren für die weitere Entwicklung.
Die Zentralbank werde daher weiterhin sämtliche verfügbaren Instrumente entschlossen einsetzen, um ihr Ziel der Preisstabilität zu erreichen, kündigte Karahan an.