ANKARA – Kurz vor Beginn des Ramadans sehen sich Verbraucher in der Türkei mit kräftigen Preisanstiegen bei Lebensmitteln konfrontiert. Nach bereits deutlichen Erhöhungen im Dezember kam es im Januar zu einer weiteren Preiswelle, die in vielen Supermärkten für spürbare Mehrbelastungen sorgte.
Zahlreiche Grundnahrungsmittel verteuerten sich im Vergleich zum Vormonat um 30 bis 40 Prozent. Nach Angaben des Türkischen Statistischen Instituts (TÜİK) stieg der Verbraucherpreisindex im Januar um 4,84 Prozent und lag damit über den Markterwartungen. Haupttreiber der Inflation waren erneut die Lebensmittelpreise.
Besonders stark verteuerten sich unverarbeitete Lebensmittel wie Gemüse und Fleisch. Die Zentralbank erklärte, dass vor allem Lebensmittel und Dienstleistungen maßgeblich zur Inflation beigetragen hätten. Die Preise für unverarbeitete Nahrungsmittel stiegen im Monatsvergleich um 11,79 Prozent, während frisches Obst und Gemüse sogar um 22,03 Prozent zulegten.
Viele Verbraucher äußerten ihren Unmut über nach eigenen Angaben „unerklärliche und anhaltende Preissteigerungen“. In sozialen Netzwerken sowie in Leserzuschriften an Zeitungen wird von flächendeckenden Erhöhungen bei Milchprodukten, Fleisch und Obst berichtet. So stieg der Preis für Butter von 340 Lira im Dezember auf 435 Lira Mitte Januar und erreichte zuletzt 480 Lira. Kaşar-Käse, dessen Packungsgröße von zuvor 700–750 Gramm auf 600 Gramm reduziert wurde, verteuerte sich im selben Zeitraum von 235 auf 279 Lira. Ein Liter Vollmilch kostete zuletzt 54 statt 47 Lira, während abgepackte Oliven von 84 auf 119 Lira stiegen.
Der Milchsektor steht derzeit unter Beobachtung der Wettbewerbsbehörde. Hintergrund sind Vorwürfe, wonach Milch- und Futtermittelproduzenten ihre Preise abgestimmt erhöhen könnten. Der Nationale Milchrats hatte den empfohlenen Rohmilchpreis zum 22. Januar auf 22,22 Lira pro Liter angehoben. Preissteigerungen erfolgten jedoch bereits vor und auch nach dieser Anpassung.
Auch frisches Gemüse verzeichnete starke Preissprünge. Branchenvertreter führen dies unter anderem auf heftige Regenfälle zurück, die Gewächshäuser beschädigten. Tomaten werden derzeit für 90 bis 100 Lira pro Kilogramm verkauft, Gurken für 110 bis 120, Paprika für 140, Zucchini für 120 und Auberginen für ebenfalls 140 Lira. Marktbeobachter sehen weniger die Landwirte als vielmehr Händler in der Verantwortung und werfen ihnen vor, wetterbedingte Angebotsengpässe für Preiserhöhungen zu nutzen.
Die Fleischpreise steigen trotz staatlicher Maßnahmen zur Marktstabilisierung weiter. Hackfleisch kostet inzwischen 700 bis 750 Lira pro Kilogramm, Rindergulasch 850 bis 950 Lira, während andere Fleischsorten bereits die 1.000-Lira-Marke überschritten haben.
Behörden weisen zudem darauf hin, dass Produkte mit reduzierter Menge oder veränderter Stückzahl dies deutlich auf der Verpackung kenntlich machen müssen. Hinweise wie „Mengenreduzierung“ oder „Gewicht verringert“ seien verpflichtend. Das Beibehalten des alten Preises ohne entsprechende Kennzeichnung gelte als Verbrauchertäuschung und könne mit hohen Geldstrafen geahndet werden.