ISTANBUL – Die türkische Industrie hat sich im August leicht stabilisiert, blieb aber weiterhin im Schrumpfungsbereich. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Istanbuler Industriekammer stieg von 47,7 Punkten im Juli auf 48,1 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Monaten.
Ein Wert von 50 Punkten gilt als Schwelle zwischen Wachstum und Rückgang. Trotz der Verbesserung signalisiert der aktuelle Wert damit weiterhin eine leichte Verschlechterung der Geschäftslage im türkischen verarbeitenden Gewerbe.
Nach Einschätzung der Umfrage hat sich die Geschäftslage im August nur moderat eingetrübt. Gleichzeitig belastete der Krieg im Nahen Osten die Industrie erneut. Die anhaltende Unsicherheit hielt die Nachfrage zurück und wirkte sich auf die Geschäftsentwicklung der Unternehmen aus.
Neue Aufträge gehen weiter zurück
Sowohl die gesamten Auftragseingänge als auch die neuen Exportaufträge gingen im August erneut zurück. Der Rückgang fiel jedoch in beiden Bereichen geringer aus als im Juli.
In der Folge reduzierten die Hersteller ihre Produktion bereits den dritten Monat in Folge. Auch dieser Rückgang war den Angaben zufolge moderat und entsprach in etwa dem Niveau des Vormonats.
Andrew Harker, Wirtschaftsdirektor bei S&P Global Market Intelligence, sieht weiterhin erhebliche Risiken für die türkische Industrie. Der Krieg im Nahen Osten werfe nach wie vor einen Schatten auf den Fertigungssektor, begrenze die Nachfrage und erhöhe die Unsicherheit bei unternehmerischen Entscheidungen.
Gleichzeitig gebe es erste Anzeichen für eine mögliche Stabilisierung. Die Auftragseingänge seien im August so gering zurückgegangen wie seit drei Monaten nicht mehr. Dies könne darauf hindeuten, dass sich die Branche in den kommenden Monaten wieder etwas stärker entwickeln könnte.
„Viel wird jedoch weiterhin davon abhängen, wie sich die Ereignisse im Nahen Osten entwickeln“, sagte Harker.
Kostendruck nimmt wieder zu
Neben der schwachen Nachfrage macht den Unternehmen auch die Kostenentwicklung zu schaffen. Die Inflation bei den Vorleistungskosten beschleunigte sich im August und erreichte den höchsten Stand seit drei Monaten.
Als Gründe wurden unter anderem höhere Kosten für Kraftstoffe und Öl sowie steigende Rohstoffpreise genannt.
Damit bleibt die türkische Industrie trotz der leichten Verbesserung des PMI unter Druck. Die Entwicklung der Nachfrage, die geopolitische Lage und die Kostenentwicklung dürften in den kommenden Monaten entscheidend dafür sein, ob der Sektor wieder auf Wachstumskurs einschwenken kann.