Der Hoffnungsschimmer für die türkische Industrie ist erloschen. Nach einem vielversprechenden Februar ist die Konjunktur im verarbeitenden Gewerbe im März unerwartet eingebrochen. Der viel beachtete Einkaufsmanagerindex (PMI) der Istanbuler Industriehandelskammer erreichte den niedrigsten Stand seit fünf Monaten. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten belasten die Konjunktur massiv.
Wie das Analysehaus S&P Global am Dienstag mitteilte, sank der Index von 49,3 Punkten im Februar, dem höchsten Stand seit 22 Monaten, auf 47,9 Punkte im März. Werte unter der kritischen Marke von 50 signalisieren eine Verschlechterung der Geschäftslage.
Laut der Umfrage verlor das Wachstum bei den Neuaufträgen im März deutlich an Schwung. Als Hauptgrund nannten die befragten Unternehmen den Krieg im Nahen Osten, der den Inflationsdruck verschärfe und die Nachfrage dämpfe. Die Unsicherheit wirkt sich zunehmend auf die Marktbedingungen aus.
Die Konsequenzen für die Betriebe sind weitreichend: „Firmen drosselten daraufhin ihre Produktion, die Beschäftigung und die Einkaufsaktivitäten“, hieß es in der Analyse. Zusätzlich belasteten Lieferkettenprobleme die Branche. Die Lieferzeiten haben sich so stark verlängert wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr.
Sowohl die inländischen als auch die internationalen Bestellungen gingen den Daten zufolge im März deutlicher zurück als in den Vormonaten. Andrew Harker, Wirtschaftsdirektor bei S&P Global Market Intelligence, sprach von einem „Rückschlag“ für die türkische Industrie. Nachdem sich die Lage im Februar noch aufgehellt hatte, sei der Aufwärtspfad vorerst verlassen worden.
„Die kurz- bis mittelfristigen Aussichten des Sektors werden wahrscheinlich davon abhängen, wie lange der Konflikt anhält und welche Auswirkungen dies auf die globalen Preis- und Lieferbedingungen hat“, so Harker weiter.