Türkische Immobilieninvestoren flüchten ins Ausland – erstmals mehr Kapitalexport als Import

20.01.2026 – 6:35 Uhr

Die türkische Immobilienbranche erlebt eine historische Wende. Erstmals übersteigen die Investitionen türkischer Käufer im Ausland die Summe, die Ausländer für Immobilien in der Türkei ausgeben. Hintergrund sind explodierende Preise im Inland, regulatorische Hürden und die Suche nach stabileren Erträgen in Fremdwährung.

Laut einer Analyse des Bewertungsunternehmens EVA Real Estate Valuation investierten türkische Staatsangehörige zwischen Januar und November 2025 rund 2,42 Milliarden US-Dollar in ausländische Immobilien. Im gleichen Zeitraum erwarben Ausländer lediglich Immobilien im Wert von 2,06 Milliarden US-Dollar in der Türkei. Damit setzt sich ein Trend fort, durch den sich das Land vom einstigen Verkaufsschlager für internationale Investoren zum Netto-Exporteur von Immobilienkapital entwickelt hat.

„Visumschwierigkeiten, die Aussicht auf Aufenthaltserlaubnisse oder Staatsbürgerschaften sowie die Attraktivität von vermieteten Assets in Fremdwährung treiben die Investoren ins Ausland“, erklärte Cansel Turgut Yazıcı, die Generalmanagerin von EVA. Sie verwies zudem auf ein Auseinanderdriften von Kaufpreisen und Mietrenditen in der Türkei. Gesetzliche Deckelungen bei Mietsteigerungen in den vergangenen Jahren hätten die Suche nach alternativen Anlagen weiter beschleunigt.

Beliebte Ziele türkischer Kapitalanleger sind laut der Analyse Montenegro, Portugal, Griechenland, Großbritannien, Spanien und Dubai. Ein bedeutender Teil der Investitionen geht zudem auf Familien zurück, die die Ausbildung oder langfristige Auswanderung ihrer Kinder planen.

Die Zahlen markieren einen Paradigmenwechsel. Die Türkei, die noch vor Jahren Rekordumsätze mit Auslandsverkäufen verzeichnete, muss sich nun an veränderte Marktdynamiken anpassen, während heimisches Kapital internationale Märkte verstärkt erschließt.