Der türkische Tourismus steht vor einem schwierigen Jahr. Nach den Erschütterungen durch den Nahostkonflikt ruhen die Hoffnungen der Branche nun auf einheimischen Urlaubern. Ein führender Verbandsvertreter fordert drastische Preisnachlässe, um die Auslastung zu sichern, und prophezeit das „Jahr der Last-Minute-Buchungen”.
Die türkischen Reiseveranstalter müssen ihre Strategie für 2026 daher grundlegend überdenken. Andernfalls drohen leere Betten und sinkende Umsätze. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer des Tourismus-Kongresses der Vereinigung Türkischer Reiseagenturen (TÜRSAB) in Antalya. Verbandspräsident Firuz Bağlıkaya rief die Hotels dazu auf, die Preise für Inlandsgäste „so niedrig wie möglich“ anzusetzen, um die Häuser zu füllen.
Hintergrund ist die anhaltende Verunsicherung durch den Krieg im Nahen Osten. Zwar sei der erste Schock verdaut und die Welle der Stornierungen abgeebbt, so Bağlıkaya. Doch nun zeichne sich ein neues Phänomen ab. Die Buchungen kämen nur noch schleppend voran, mit einer Verlangsamung von 20 bis 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unmittelbar nach Kriegsausbruch lag die Stornierungsquote zeitweise bei 15 bis 20 Prozent.
Bağlıkaya zufolge unterscheidet sich das Buchungsverhalten der Gäste stark nach Herkunftsland: Während russische Urlauber bislang keine Stornierungen vorgenommen hätten, reagierten Deutsche und Nordeuropäer deutlich sensibler. Für das Jahr 2026 erwartet der Verbandspräsident eine grundlegende Verschiebung: „Es wird das Jahr der Last-Minute-Reservierungen.“ Die Gäste würden aus Unsicherheit so spät wie möglich buchen. Dies steht im Kontrast zu den hohen Preisen des Vorjahres, die 2025 vielerorts zu leerstehenden Hotels geführt haben.
Neben der Preisstrategie für Inlandstouristen sieht Bağlıkaya eine weitere Gefahr in den steigenden Kerosinkosten. Diese lassen die Flugpreise deutlich ansteigen – von 300 auf bis zu 500 Euro pro Ticket. Das könnte Reisende dazu bewegen, näher gelegene Ziele zu bevorzugen. „Wenn sich die Treibstoffpreise nicht normalisieren oder Subventionen gewährt werden, werden Urlauber andere Destinationen wählen“, warnte Bağlıkaya.
Auch Mete Vardar, der Vorstandsvorsitzende des Reiseveranstalters Jolly, rechnet damit, dass der heimische Markt im Jahr 2026 deutlich an Einfluss gewinnen wird. Seiner Prognose zufolge werde der Anteil der Inlandsgäste an der Gesamtkapazität steigen.