Die Inflationserwartung der privaten Haushalte in der Türkei ist im Juni spürbar gesunken. Gleichzeitig wertet Finanzminister Mehmet Şimşek eine mögliche Entspannung der geopolitischen Lage als zusätzlichen Impuls für die Preisentwicklung. Die türkische Zentralbank veröffentlichte am Dienstag die entsprechenden Daten ihrer turnusmäßigen Umfragen.
Demnach sank die Jahresinflationserwartung der Haushalte für die kommenden zwölf Monate im Vergleich zum Vormonat um 3,38 Prozentpunkte auf 46,13 Prozent. Dies geht aus der „Haushaltserwartungsumfrage“ hervor, für die 3.274 Personen befragt wurden. Die Erwartung der Marktteilnehmer für denselben Zeitraum blieb mit einem Rückgang um lediglich 0,01 Punkte auf 23,81 Prozent nahezu unverändert. Die reale Wirtschaft (Unternehmen) rechnet unverändert mit einer Teuerung von 33,10 Prozent.
Şimşek: Energiepreise könnten Erholung stützen
Hazine- und Finanzminister Mehmet Şimşek kommentierte die Daten auf seinem Social-Media-Kanal und führte den Rückgang der Haushaltserwartungen auch auf das Wirtschaftsprogramm der Regierung zurück. „Wir haben den fiskalischen Spielraum, den wir durch unser Programm geschaffen haben, genutzt und schnell und wirksam die notwendigen Maßnahmen – insbesondere den gleitenden Steuermechanismus (Eşel Mobil) – ergriffen, um eine dauerhafte Verschlechterung der Erwartungen zu verhindern“, erklärte Şimşek.
Mit Blick auf die außenpolitischen Risiken fügte der Minister hinzu: „Wir erwarten, dass eine Normalisierung der Energiepreise infolge nachlassender geopolitischer Spannungen die Verbesserung der Erwartungen stützen wird. Wir setzen unsere Arbeit konsequent im Sinne unseres Desinflationsziels fort.“ Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen hatten zuvor kurzfristig Druck auf den Inflationsausblick ausgeübt.
Grundnahrungsmittel und Energie bleiben Sorgenkinder
Trotz des Rückgangs der Gesamterwartung bleiben die Lebensmittelpreise das zentrale Thema der Bürger. 39,3 Prozent der Befragten nahmen in den vergangenen zwölf Monaten den stärksten Preisanstieg bei Lebensmitteln wahr und erwarten dies auch für die Zukunft – ein Rückgang um 1,6 Punkte im Vergleich zum Mai. Auf Platz zwei folgt die Kategorie „Kraftstoff und Energie“.
Die Erwartung eines Anstiegs der Immobilienpreise binnen zwölf Monaten sank leicht um 0,13 Punkte auf 33,82 Prozent. Die Wechselkurserwartung der Bürger für den US-Dollar stieg hingegen moderat: Für Ende Juni 2025 wird ein Kurs von 52,67 Lira prognostiziert, das sind 0,14 Lira mehr als in der vorherigen Umfrage.
Anleger setzen weiterhin auf „Betongold“
Bei der Bewertung der Anlagepräferenzen zeigt sich eine Verschiebung: Zwar bleibt Gold mit 44,3 Prozent das beliebteste Investment, dieser Wert sank jedoch um 4 Prozentpunkte. Deutlich zugelegt haben dagegen Immobilieninvestitionen (Haus, Laden, Grundstück): Deren Anteil stieg um 3,9 Prozentpunkte auf 37,1 Prozent.