Die türkische Bauwirtschaft hat im April zwar erneut an Dynamik gewonnen, doch ein genauerer Blick offenbart eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der Branche. Wie das Statistikamt TÜİK am 27. Juni mitteilte, stieg der Bauproduktionsindex im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,1 Prozent. Gegenüber dem Vormonat März legte das Barometer leicht um 0,7 Prozent zu.
Die Jahresbilanz wird maßgeblich von der öffentlichen Hand getragen: Während der klassische Hochbau – also der Bau von Gebäuden – stagnierte, schnellte der Tiefbau-Index um 12,3 Prozent nach oben. Er schnellte um 12,3 Prozent nach oben. Die spezialisierten Bauaktivitäten, etwa Elektro- oder Sanitärinstallationen, wuchsen immerhin um 2,7 Prozent.
Auf Monatssicht ergibt sich ein ähnliches Bild. Der Gebäudebau verbesserte sich um moderate 0,9 Prozent, der Tiefbau um 1,4 Prozent. Die spezialisierten Bauaktivitäten schrumpften dagegen um 0,5 Prozent – ein mögliches Warnsignal für die Breite der Konjunktur.
Die Zahlen untermauern einen Trend, den der Türkische Verband der Baumaterialproduzenten (İMSAD) kürzlich in einer umfassenden Analyse beschrieb: Demnach werden die Bauausgaben bis 2025 regelrecht explodieren. Sie kletterten um 44 Prozent auf die Rekordsumme von 9,09 Billionen Türkischen Lira (umgerechnet rund 197 Milliarden US-Dollar). Die Branche expandierte im Jahr 2025 insgesamt um 10,8 Prozent und ließ damit das gesamtwirtschaftliche Wachstum von 3,6 Prozent deutlich hinter sich.
Als zentrale Stützen identifiziert der İMSAD-Bericht projektbezogene Investitionen, obligatorische Ausgaben, den Wiederaufbau nach den verheerenden Erdbeben sowie urbane Transformationsprojekte. Ohne diese staatlichen Impulse sähe die Lage vor allem im privaten Wohnungs- und Gewerbebau schlecht aus, so die implizite Botschaft.