Bursa – Die türkische Automobilbranche richtet ihren Blick zunehmend auf den Nahen Osten und Nordafrika (MENA) als neue Wachstumsmärkte. Das erklärte Baran Çelik, Vorsitzender des Verbandes der Automobil-Exporteuren (OİB).
Während die Branche weiterhin stark in Europa vertreten ist, betonte Çelik, dass eine Diversifizierung entscheidend sei, um Risiken durch die starke Abhängigkeit vom europäischen Markt zu verringern. 2025 erzielte die türkische Automobilindustrie Rekordexporte in Höhe von 41,5 Milliarden US-Dollar. „Die Automobilbranche ist dynamisch und befindet sich im Wandel. Auch für 2026 sind die Erwartungen positiv“, so Çelik.
Europa dominiert nach wie vor die Exporte: Neun der zehn wichtigsten Absatzmärkte liegen auf dem Kontinent. Die EU macht 72 Prozent der gesamten Automobilexporte aus, inklusive nicht-EU-Länder Europas steigt der Anteil auf 84 Prozent. Proximity, etablierte Vertriebsnetze und einfacher Marktzugang machen Europa zum stärksten Markt der Branche.
Çelik warnte jedoch vor den Risiken der Überabhängigkeit: „Wenn Europa hustet oder niest, bekommen wir eine Erkältung.“ Neben der Sicherung der europäischen Marktposition setzt die Branche daher auf neue Absatzmärkte. Nordamerika und Lateinamerika gelten dabei als besonders vielversprechend, unterstützt durch Messen, Delegationsreisen und Kaufmannsmissionen.
Für Nordafrika zeigte Çelik besonderes Interesse: „Der Prozess begann mit Marokko, und die Region entwickelt sich zu einem wichtigen Automobilzentrum. Wir exportieren dort nicht nur Teile, sondern schicken auch Investoren“, erklärte er. Ausländische Investitionen stärken die globale Integration der Branche und fördern die Exporte – ein Erfolgskonzept, das in Osteuropa bereits funktioniert hat.
Abschließend bezeichnete Çelik die MENA-Region als entscheidende Alternative: „Geografische Nähe und unser bislang niedriger Marktanteil machen die Region besonders vielversprechend für Diversifizierung. Hier konzentrieren wir unsere Bemühungen, um unsere Reichweite auszubauen.“
Der heimische Automobilmarkt startete 2026 dynamisch: Im Januar stiegen die Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um 9,77 Prozent auf 75.362 Einheiten im Vergleich zum Vorjahr. Davon entfielen 61.055 Fahrzeuge auf Pkw (+9,14 %) und 14.307 auf leichte Nutzfahrzeuge (+12,56 %).