Türkische Augentropfen zeigen in Tierstudien Wirksamkeit gegen Hornhauterkrankungen

15.06.2026 – 6:30 Uhr

Ein experimenteller Augentropfen türkischer Entwicklung könnte die Transplantation als bislang einzige Behandlungsmöglichkeit für eine schwerwiegende Hornhauterkrankung ersetzen. Nach erfolgreichen Tierstudien wurde das Projekt mit einer hochrangigen wissenschaftlichen Auszeichnung in den USA ausgezeichnet.

Die Entwicklung zielt auf die sogenannte Fuchs-Dystrophie ab, eine genetisch bedingte Hornhauterkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Sie beginnt typischerweise ab dem 40. Lebensjahr und kann innerhalb von etwa zehn Jahren zur vollständigen Erblindung führen. Grund dafür ist der schleichende Verfall des Endothels, der die Hornhaut zunehmend trüb werden lässt – ähnlich wie eine beschlagene Fensterscheibe.

Der Augenarzt Dr. İskender Alkın Solmaz startete das Forschungsprojekt vor etwa acht Jahren aus rein wissenschaftlichem Interesse. Mit einem kleinen Team von vier Forschern entwickelte er einen Wirkstoff, der in sechsmonatigen präklinischen Versuchen an Kaninchen vielversprechende Ergebnisse lieferte. Danach stieg der Unternehmer Mehmet Ali Aydınlar finanziell ein.

Auf dem Jahreskongress der American Society of Cataract and Refractive Surgery (ASCRS) wurde die Studie als beste wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet. Das Team hat ein Unternehmen in Kanada gegründet, die präklinische Phase abgeschlossen und bereitet sich nun auf klinische Studien der Phase 1 vor. Dafür werden noch etwa fünf Millionen Dollar Finanzierung gesucht.

Das langfristige Ziel ist die Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA und eine Markteinführung – frühestens im Jahr 2030, falls alles nach Plan verläuft. Neben dem medizinischen Nutzen könnte der Tropfen auch die Kosten senken, denn eine Hornhauttransplantation kostet allein in den USA rund 20.000 Dollar pro Patient.