Türkisch-deutsche Allianz für Künstliche Intelligenz: Machtwechsel im Technologie-Sektor?

29.03.2026 – 13:00 Uhr

Die Yeditepe-Universität hat auf dem Gelände des Technopark Istanbul eine neue Technologiebasis mit drei eigenständigen Einheiten – einem Venture Studio, einem Zentrum für Informatik und Künstliche Intelligenz sowie einem Labor für Kohlenstofflösungen – eröffnet. Damit soll ein ganzheitlicher Innovationsstandort geschaffen werden. Als zentraler Partner konnte das Fraunhofer-Institut, eine der größten angewandten Forschungsorganisationen Europas, gewonnen werden.

Bei der Eröffnung sprach sich Bedrettin Dalan, Gründer und Ehrenpräsident der Universität, für eine Ausweitung der Zusammenarbeit aus: „Diese Kooperation ist nicht nur für unsere Universität, sondern für die gesamte Türkei bedeutsam. Mit Fraunhofer beginnen wir im Bereich Künstliche Intelligenz, werden aber künftig in allen Technologiefeldern gemeinsam arbeiten können.“ Die Zertifikate des deutschen Instituts genießen weltweit Anerkennung.

Die neue Einrichtung ist als integriertes Ökosystem konzipiert, das internationale Kooperationen und industrielle Forschungsaktivitäten bündelt. Im Mittelpunkt steht ein „Venture Studio“ als neuartiges Gründungsmodell, das Studierende, Wissenschaftler und Unternehmen auf einer gemeinsamen Produktionsplattform zusammenbringen soll. Das Ziel besteht darin, den gesamten Prozess von der Idee bis zum marktreifen Produkt zu begleiten – inklusive der Einbindung von Kapitalgebern und der Ausgründung neuer Start-ups.

Dr. Olaf Sauer, der Direktor des Fraunhofer-Instituts IOSB, betonte die strategische Bedeutung der Türkei: „Die Türkei ist für uns ein strategischer Partner, insbesondere aufgrund ihrer Position in den Lieferketten zwischen Asien und Europa.“ Man wolle gemeinsam an Lösungen für resiliente Lieferketten, Produktionsverlagerungen in nahe gelegene Regionen sowie Robotik und grüne Transformation arbeiten. Ein besonderes Augenmerk liege dabei auf der Ausbildung junger Fachkräfte in den Bereichen Produktion, Montage und Logistik.

Rektor Prof. Dr. Mehmet Durman hob die enge Verzahnung von Forschung und Unternehmertum hervor: „In diesem Zentrum betreiben wir zukunftsgerichtete Forschung, bei der Ideen in konkrete Produkte überführt werden.“ Rektoratsmitglied Prof. Dr. Oğuz Bayat ergänzte, dass die Einrichtung nicht nur als Forschungs-, sondern auch als Kommerzialisierungsplattform dienen solle. Über das Venture Studio würden neue Technologien entwickelt, Start-ups gegründet und Finanzierungsquellen erschlossen.

Schwerpunktmäßig konzentrieren sich die Aktivitäten laut Bayat auf die Bereiche Gesundheit, Robotik und Automobilindustrie. Über internationale Konsortien werden zudem Projekte in der Stahl- und Aluminiumindustrie vorangetrieben. Im Bereich der grünen Transformation wird unter anderem mit einem „Carbon Chatbot“ zur CO₂-Abscheidung gearbeitet. Die Integration der Türkei in das europäische Produktionsökosystem – „Made in EU“ – dürfte diesen Prozess zusätzlich beschleunigen.