Istanbul – Die Türkei droht aus Sicht des Präsidenten der Istanbuler Handelskammer (ITO), Şekib Avdagiç, ein gefährliches Image als teures Urlaubsland zu entwickeln. Eine dauerhaft steigende Wahrnehmung der Türkei als „zu teuer“ könnte langfristig nicht nur den Handel, sondern auch den Tourismus und die Ausgaben ausländischer Besucher belasten.
Avdagiç äußerte sich bei der zehnten Ausgabe der Istanbul Fashion Fair. Dabei sprach er über die schwierige Lage türkischer Exporteure, steigende Kosten und den zunehmenden Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit – warnte aber auch vor den möglichen Folgen für die Tourismusbranche.
„Das ist eine gefährliche Wahrnehmung“
„Die Türkei ist zu teuer“ sei derzeit eine der Aussagen, mit denen er am häufigsten konfrontiert werde, sagte Avdagiç. Sollte sich diese Wahrnehmung bei einer größeren Zahl potenzieller Besucher festsetzen, könne das erhebliche Folgen haben.
Nicht nur der Warenexport und der Einkaufstourismus könnten darunter leiden. Auch die Nachfrage nach Urlaub in der Türkei könnte mittel- und langfristig zurückgehen.
Damit könnte eine Entwicklung problematisch werden, die für die türkische Tourismuswirtschaft besonders wichtig ist: Urlauber vergleichen zunehmend Preise und Leistungen verschiedener Reiseziele.
Ausländische Ausgaben gehen zurück
Avdagiç verwies zudem auf Veränderungen beim Einkaufsverhalten ausländischer Besucher. Während die Ausgaben mit ausländischen Kreditkarten in der Türkei zurückgingen, hätten die Ausgaben türkischer Kreditkarteninhaber im Ausland zugenommen.
Für den ITO-Chef ist dies ein Hinweis darauf, dass das Preisniveau zunehmend Einfluss auf die Konsumentscheidungen nimmt – sowohl bei ausländischen Gästen als auch bei türkischen Verbrauchern.
Wechselkurs und Inflation setzen Unternehmen unter Druck
Ein weiteres Problem sieht Avdagiç in der zunehmenden Kluft zwischen Wechselkursentwicklung und Inflation. Die Kosten türkischer Unternehmen seien deutlich gestiegen, während sich der Wechselkurs nicht im gleichen Maß verändert habe.
Das erschwere insbesondere Exporteuren den Wettbewerb auf internationalen Märkten. Gleichzeitig werde dadurch auch der Handel im Inland belastet.
Avdagiç forderte deshalb ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Exporten und Importen. Die Türkei müsse ihre Exporte weiter steigern, gleichzeitig aber die Importe kontrollieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern.
Seine Warnung richtet sich dabei nicht nur an die Exportwirtschaft: Wenn die Türkei für ausländische Gäste dauerhaft als zu teuer gilt, könnte dies zu einem Problem für eine der wichtigsten Säulen der türkischen Wirtschaft werden – den Tourismus.