Türkei: Zentralbank korrigiert Inflationsprognose nach oben – Erwartungen steigen weiter

17.02.2026 – 13:00 Uhr

Einen Tag vor der jüngsten Inflationsumfrage der türkischen Zentralbank malte Gouverneur Fatih Karahan ein optimistischeres Bild als die Marktteilnehmer:innen nun liefern. In der Befragung vom Februar kletterte die erwartete Teuerungsrate für Ende 2026 auf 24,11 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber den zuvor prognostizierten 23,23 Prozent.

Die am Donnerstag von der Zentralbank veröffentlichte Umfrage unter Marktteilnehmern offenbart eine wachsende Kluft zwischen offiziellen Zielen und realen Erwartungen. Zwar senkte die Zentralbank ihren eigenen Ausblick für das Jahresende 2026 leicht auf eine Spanne von 15 bis 21 Prozent, revidierte damit jedoch die bisherige Prognose von 13 bis 19 Prozent nach oben.

Die Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate gingen indes minimal von 22,20 auf 22,10 Prozent zurück. Für den 24-Monats-Zeitraum erwarten die Befragten hingegen einen Anstieg auf 17,11 Prozent – ebenfalls eine Verschlechterung gegenüber dem Vormonatswert von 16,94 Prozent.

Trotz der jüngsten Entspannung bleibt die Lage angespannt. Zwar fiel die Jahresinflation im Januar den vierten Monat in Folge auf 30,65 Prozent und erreichte damit den tiefsten Stand seit November 2021, sie liegt aber weiterhin weit über den Zielmarken der Währungshüter.

Auf einer Pressekonferenz in Istanbul bekräftigte Zentralbankchef Karahan die Zwischenziele von 16 Prozent für 2026 und neun Prozent für 2027. „Wir haben stets betont, dass wir während des Disinflationierungsprozesses an unserem straffen geldpolitischen Kurs festhalten werden, um unsere Zwischenziele zu erreichen“, so Karahan. Die vorsichtige Haltung werde beibehalten, bis Preisstabilität gesichert sei.

Leitzinssenkung verlangsamt – Märkte fordern stärkere Schritte

Mit Blick auf die Geldpolitik rechnen die Umfrageteilnehmer für die März-Sitzung des Währungsausschusses mit einem Leitzins von 36,08 Prozent. Die Zentralbank hatte ihren Schlüsselsatz zuletzt am 22. Januar um 100 Basispunkte auf 37 Prozent gesenkt – eine langsamere Gangart als von vielen Volkswirten erwartet. Diese hatten ein Minus von 150 Basispunkten prognostiziert. Bereits im Dezember 2025 war der Leitzins um 150 Basispunkte reduziert worden.

Die Erwartungen an den Wechselkurs des US-Dollars zur türkischen Lira zeigten sich uneinheitlich: Für das Jahresende erwarten die Befragten einen Kurs von 51,09 Lira, was einem minimalen Rückgang gegenüber den zuvor erwarteten 51,17 Lira entspricht. Die 12-Monats-Erwartung stieg dagegen von 51,89 auf 52,39 Lira.

Die Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 blieben mit 3,9 bzw. 4,3 Prozent unverändert.