ANKARA – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat den Vorsitzenden der Kapitalmarktaufsicht SPK, Mahmut Sütcü, abberufen. Gleichzeitig wurde Kutluhan Taşkın zum stellvertretenden Finanz- und Schatzminister ernannt. Die Personalentscheidungen wurden am 20. Oktober im Amtsblatt veröffentlicht.
Sütcü hatte am Vortag aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt eingereicht. Er stand erst seit Mai an der Spitze der Aufsichtsbehörde. Taşkın, zuvor stellvertretender Leiter des Präsidialamts für Strategie und Haushalt, tritt die Nachfolge von Osman Çelik an. Dieser hatte am 19. Oktober Finanz- und Schatzminister Mehmet Şimşek um seine Versetzung in den Ruhestand gebeten.
Darüber hinaus wurde der frühere SPK-Vorsitzende İbrahim Ömer Gönül als Leiter der Behörde für öffentliche Aufsicht sowie Rechnungslegungs- und Prüfungsstandards abberufen. Şimşek hatte am 14. Oktober eine Untersuchung gegen Gönül genehmigt, nachdem die Istanbuler Staatsanwaltschaft dies im Rahmen der Ermittlungen zum Investmentfonds-Skandal beantragt hatte.
Vizepräsident Cevdet Yılmaz erklärte, dass der Staatliche Aufsichtsrat die Finanzaufsichtsbehörden, darunter die SPK und die Bankenaufsicht, überprüfe. Dabei sollen mögliche administrative Versäumnisse und individuelle Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit der Fonds-Krise geklärt werden.
Investmentfonds-Krise betrifft Hunderttausende Anleger
Die Krise war vor gut einem Monat öffentlich bekannt geworden und hatte Ermittlungen wegen des Verdachts auf weitverbreitete Marktmanipulation ausgelöst. Auslöser war, dass mehrere Fonds Rücknahmeanträge nicht mehr bedienen konnten. Die Aufsichtsbehörden ordneten daraufhin die Liquidation von sieben Unternehmen an, die insgesamt 131 Investmentfonds mit einem gemeldeten Vermögen von rund 17 Milliarden US-Dollar verwalten. Berichten zufolge sind etwa 455.000 Privatanleger betroffen.
Tera Yatırım unter staatlicher Verwaltung
Unterdessen teilte die Tera Yatırım Teknoloji Holding am 19. Oktober über die Plattform für öffentliche Bekanntmachungen (KAP) mit, dass der Einlagensicherungsfonds TMSF auf Grundlage eines Istanbuler Gerichtsbeschlusses vom 14. Oktober als Treuhänder eingesetzt worden sei. Der Fonds berief einen neunköpfigen Vorstand, der inzwischen die Unternehmensführung übernommen hat.
In einer weiteren Mitteilung vom 19. Oktober erklärte die SPK, dass die Stimmrechte von Tera Yatırım Holding sowie verbundenen Unternehmen und Fonds an der Immobilien-Investmentgesellschaft Peker GYO seit dem 16. September automatisch eingefroren seien. Hintergrund sei, dass Tera Yatırım Holding nach der Übernahme der Kontrolle über Peker GYO ihrer gesetzlichen Pflicht zu einem Übernahmeangebot nicht nachgekommen sei.
Die SPK hob die Sperre für Stimmrechte von vier durch Tera verwalteten Fonds auf, deren Liquidation bereits angeordnet worden war. Gleichzeitig untersagte sie den Börsenhandel mit Peker-GYO-Aktien, die von Tera Yatırım Holding und weiteren Inhabern mit weiterhin gesperrten Stimmrechten gehalten werden. Das Verbot gilt, bis die Verpflichtung zum Übernahmeangebot erfüllt ist.
Anleger, die zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Übernahme Peker-GYO-Aktien hielten, können nach Angaben der SPK vor Gericht Schadenersatz von Tera Yatırım Holding verlangen, falls ihnen durch das unterbliebene Übernahmeangebot Verluste entstanden sind.