ANKARA – Die Industrie- und Handelskammer Ankara (ASO) warnt, dass das kürzlich unterzeichnete Freihandelsabkommen (FTA) zwischen der Europäischen Union (EU) und Indien die Wettbewerbsfähigkeit der Türkei langfristig unter Druck setzen könnte. Ein sofortiger, massiver Verlust von Marktanteilen sei zwar unwahrscheinlich, doch der Wettbewerb werde schrittweise zunehmen.
In einem aktuellen Forschungsbericht analysierte die ASO die potenziellen Auswirkungen des Abkommens auf die türkische Industrie und beleuchtete sowohl Risiken als auch Chancen.
Der Bericht zeigt, dass die EU derzeit Waren im Wert von 115 Milliarden USD aus der Türkei und 81,8 Milliarden USD aus Indien importiert. Das Abkommen könnte Indien ermöglichen, seine Exporte in bestimmten Sektoren zu steigern, wodurch die Türkei als wichtiger Lieferant der EU Marktanteile verlieren könnte. Besonders betroffen sei der Bereich elektrische Maschinen und Ausrüstungen, in dem Indien unter dem neuen Handelsrahmen Boden gewinnen könnte.
Gleichzeitig betont der Bericht die Bedeutung des EU-Mechanismus zur Anpassung an CO₂-Grenzen (CBAM). Dieser Mechanismus könne der Türkei gerade im Stahlsektor einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Die türkische Nutzung von Elektroofentechnologie bietet einen erheblichen CO₂-Vorteil gegenüber Indiens kohlebasierter Produktion.
Sollte die Türkei ihre grüne Transformation beschleunigen und diesen Vorteil beibehalten, könnten die durch CBAM entstehenden Kosten für Indien die Zollvorteile des FTA ausgleichen oder sogar neutralisieren, heißt es in der Studie.