Die Türkei hat sich als regionales Schwergewicht im Gesundheitssektor etabliert und behandelt inzwischen nach offiziellen Angaben mehr als drei Millionen ausländische Patienten pro Jahr. Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu führte diese positive Entwicklung am 16. August auf massive Investitionen in die Infrastruktur zurück. Diese hätten das türkische Gesundheitssystem zu einem Vorbild in der Region gemacht.
„Nachbarländer versuchen, unsere Gesundheitsdienste als Vorbild zu nehmen und bitten uns um Unterstützung“, sagte Memişoğlu vor Journalisten in Istanbul. Der Minister verwies auf einen grundlegenden Wandel hin zu mehr Eigenständigkeit in der Medizintechnologie. So kündigte er die Entwicklung von acht einheimischen Impfstoffen an. Für sechs davon sollen in den kommenden Wochen bereits Verträge unterzeichnet werden.
„Wir werden unsere eigenen Impfstoffe in der Türkei herstellen”, betonte Memişoğlu. Die Produktion gehe dabei weit über das bloße Abfüllen hinaus, denn geplant sei die Kultivierung der primären Masterzelllinie direkt im Inland.
Auch bei Medizingeräten will sich das Land unabhängiger machen. Die Behörden haben nach Angaben des Ministers 45 strategisch wichtige Geräte für die heimische Fertigung identifiziert. Innerhalb von zwei Jahren sollen demnach 70 Prozent der Ultraschallgeräte lokal produziert werden. Eine in Zusammenarbeit mit dem türkischen Rüstungskonzern ASELSAN entwickelte Herz-Lungen-Maschine ist bereits im klinischen Einsatz, die Serienproduktion ist für Ende des Jahres vorgesehen.
Parallel dazu setzt das Ministerium verstärkt auf künstliche Intelligenz. So wurde das Gesundheitssystem auf ein risikobasiertes Inspektionssystem umgestellt, das mithilfe von KI Krankenhausdaten überwacht. Die Anwendungen reichen von Mammographien bis hin zu mobilen Röntgengeräten von ASELSAN. Zudem bewerten Wissenschaftler das landesweite Profil bei HPV- und Krebserkrankungen und prüfen ausländische Medikamente gegen spinale Muskelatrophie.
Um die steigende Nachfrage zu bewältigen und auf die alternde Bevölkerung zu reagieren, hat das Ministerium häusliche, telemedizinische und palliative Dienste in einer neuen Kommandozentrale gebündelt. Die Zahl der Hausärzte stieg landesweit von 25.000 auf 31.000, sodass Patienten Rezepte nun direkt erhalten können.
Als Fundament für die wachsende Rolle der Türkei im internationalen Medizintourismus gelten die 79 Großkrankenhäuser, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten allein in Istanbul errichtet wurden. Laut dem Minister haben sie die Position der Türkei als führende Drehscheibe für spezialisierte Behandlungen gefestigt.