Türkei und Weltbank vereinbaren 1,67 Milliarden Euro Abkommen für neues Istanbuler Bahnprojekt

20.04.2026 – 6:30 Uhr

Inmitten der internationalen Finanzgespräche in Washington hat die Türkei ein milliardenschweres Infrastrukturvorhaben auf den Weg gebracht, das den Güterverkehr zwischen Europa und Asien revolutionieren soll. Finanzminister Mehmet Şimşek unterzeichnete am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank einen Finanzierungsvertrag über 1,67 Milliarden Euro für das Projekt „Istanbul North Rail Crossing“ (INRAIL).

Das ambitionierte Projekt sieht den Bau einer 127 Kilometer langen, elektrifizierten Hochleistungs-Eisenbahnstrecke vor. Kernstück ist die Nutzung der bereits für den Schienenverkehr ausgelegten Yavuz-Sultan-Selim-Brücke, um eine neue, leistungsfähige Überlandquerung des Bosporus zu schaffen.

„Strategisch, nicht gewöhnlich”

Şimşek bezeichnete die Unterzeichnung am Sitz der Weltbank als strategischen Meilenstein. Es handele sich nicht um eine gewöhnliche Infrastrukturinvestition, sondern um die Beseitigung eines der kritischsten Engpässe im sogenannten Mittleren Korridor. Das Ziel besteht darin, die jährliche Frachtkapazität auf der Schiene über den Bosporus von derzeit etwa drei Millionen Tonnen auf 50 Millionen Tonnen zu steigern.

„Dieses Projekt ist Teil unserer langfristigen Entwicklungsgeschichte, schafft höherwertige Arbeitsplätze und vertieft unsere Position in den internationalen Handelsrouten“, erklärte der türkische Finanzminister. Er betonte zudem, dass die Partnerschaft mit der Weltbank ein starkes Vertrauenssignal an die globalen Märkte sende.

Historische Dimension der Finanzierung

Zuvor hatte die Weltbank die Genehmigung eines Darlehens über umgerechnet zwei Milliarden US-Dollar für INRAIL bekannt gegeben. Laut Şimşek ist dies das drittgrößte Projekt, das je vom Direktorium der Weltbank bewilligt wurde.

Die Gesamtkosten des Projekts beziffert die Weltbank auf rund 8,3 Milliarden Dollar (ca. 7,6 Milliarden Euro). Das nun unterzeichnete Weltbank-Darlehen bildet den Auftakt für ein erwartetes Finanzierungspaket von insgesamt etwa 6,75 Milliarden Dollar, an dem sich sechs multilaterale Entwicklungsbanken beteiligen sollen.

Drehkreuz zwischen drei Kontinenten

Anna Bjerde, die geschäftsführende Direktorin für Operationen der Weltbank, unterstrich die überregionale Bedeutung der neuen Bahnverbindung. Diese werde die Verbindungen entlang dreier strategischer Korridore stärken: des Mittleren Korridors, des Entwicklungswegs (Iraq Development Road) sowie der Route zwischen der Türkei und der Europäischen Union. Der Transport über den Bosporus werde dadurch schneller, zuverlässiger und effizienter.

Das INRAIL-Projekt gilt als zentrales Puzzlestück im Bestreben der Türkei, ihre Rolle als logistische Drehscheibe zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten auszubauen. Insbesondere soll es die Zuverlässigkeit der transkaspischen Route verbessern, die unter Umgehung Russlands Güter aus China und Zentralasien nach Europa bringt.