Die Türkei und Österreich wollen ihre Wirtschaftsbeziehungen massiv ausbauen. Nach einem Rekordjahr peilt Ankara einen Anstieg des bilateralen Handelsvolumens auf sechs Milliarden US-Dollar an. Dies gab der türkische Handelsminister Ömer Bolat nach dem Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Christian Stocker in der türkischen Hauptstadt bekannt.
Im Vorjahr hatte der Warenaustausch mit 4,4 Milliarden Dollar einen Höchststand erreicht. „Aufbauend auf dieser positiven Dynamik haben wir vereinbart, das Volumen in der kommenden Periode auf ausgewogene und nachhaltige Weise auf sechs Milliarden Dollar zu steigern“, erklärte Bolat.
Neben dem Handel rücken auch die gegenseitigen Investitionen stärker in den Fokus. Derzeit sind laut Regierungsangaben 1.075 österreichische Firmen in der Türkei aktiv. Der Bestand an österreichischen Direktinvestitionen liegt bei 4,8 Milliarden US-Dollar, während türkische Unternehmen in Österreich 1,8 Milliarden US-Dollar investiert haben. Laut Bolat strebt die Türkei eine stärkere Diversifizierung des Investitionsportfolios an.
Als strategisches Feld identifizierte der Minister zudem mögliche Gemeinschaftsprojekte in Drittländern. Dabei soll das Know-how türkischer Baukonzerne mit österreichischer Ingenieurskunst und Finanzierungskraft verknüpft werden. Ein bereits bestehendes Kooperationsabkommen zwischen der Oesterreichischen Kontrollbank und der Türk Eximbank bietet dafür eine tragfähige Grundlage.
Weitere Kernforderungen Ankaras betreffen den Transportsektor: Die Türkei drängt auf eine vollständige Liberalisierung des Straßengüterverkehrs sowie eine deutliche Erhöhung der österreichischen Transitgenehmigungen. Auch bei den Themen grüne und digitale Transformation, öffentliche Auftragsvergabe und Handelsstrategie – insbesondere mit Blick auf den europäischen Industrial Accelerator Act – dringt die türkische Seite auf eine engere Zusammenarbeit innerhalb der EU-Rahmenwerke.