Türkei überrascht die Märkte: Risikoaufschlag fällt auf tiefsten Stand seit Februar

28.08.2026 – 6:30 Uhr

Der fünfjährige Credit Default Swap (CDS) der Türkei ist auf 217 Basispunkte gefallen. Damit erreichte der wichtige Risikoindikator für türkische Staatsanleihen den niedrigsten Stand seit dem 18. Februar. Experten führen die Entwicklung vor allem auf die Aussicht auf eine Entspannung im Nahen Osten und Maßnahmen der türkischen Zentralbank zurück.

Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich zuletzt aufgehellt. Berichte über eine mögliche Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche zwischen den USA und dem Iran sowie Hinweise auf eine mögliche Entspannung der regionalen Spannungen verringerten die Risikowahrnehmung der Anleger.

Auch die Sorgen um die weltweite Energieversorgung ließen nach. In der Folge gaben die Ölpreise nach, was wiederum den Inflationsdruck dämpfte und die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sinken ließ. Davon profitierten auch die Risikoaufschläge vieler Schwellenländer.

Zentralbank setzt auf normalere Liquiditätssteuerung

Neben den internationalen Entwicklungen spielte auch die türkische Geldpolitik eine Rolle. Die türkische Zentralbank (CBRT) kündigte an, die einwöchigen Repo-Auktionen wieder aufzunehmen. Diese waren seit dem 1. März 2026 ausgesetzt worden.

Die Märkte werteten diesen Schritt als Signal für eine Rückkehr zu einer konventionelleren Steuerung der türkischen Lira-Liquidität. In der Folge fiel die Rendite zweijähriger türkischer Staatsanleihen erstmals seit dem 2. Juli wieder unter die Marke von 40 Prozent. Auch die Renditen länger laufender Anleihen gingen leicht zurück.

Özlem Derici Şengül, Gründungspartnerin von Spinn Consulting, sieht mehrere Gründe für den Rückgang des CDS. Den unmittelbarsten Einfluss hätten die gesunkenen Anleiherenditen gehabt. Die Inflationserwartungen hätten sich dagegen bislang nicht wesentlich verbessert.

Unterstützt werde die Entwicklung durch niedrigere Ölpreise, nachlassende Sorgen über den Nahostkonflikt und wachsende Erwartungen an künftige Zinssenkungen der türkischen Zentralbank. Auch die stärkeren Devisenreserven der Türkei wirkten sich positiv auf die Risikoeinschätzung aus.

Experten warnen vor möglichen Rückschlägen

Ob der Rückgang des CDS nachhaltig ist, bleibt laut Şengül allerdings offen. Als mögliche Risiken nennt sie unter anderem eine Ausweitung der US-Sanktionen gegen den Iran. Die Türkei importiert große Mengen iranischen Erdgases und könnte dadurch stärker betroffen sein.

Auch eine erneute Eskalation im Nahen Osten könnte die Ölpreise wieder deutlich steigen lassen. Darüber hinaus könnten sich verschlechternde Inflationserwartungen bei Haushalten und Unternehmen die Stimmung an den Märkten belasten.

Seda Yalçınkaya Özer, Leiterin der Strategie- und Anlageberatung bei Yatırım Finansman, sieht den Rückgang des CDS sowohl im internationalen als auch im innenpolitischen Umfeld. Die diplomatischen Bemühungen unter Beteiligung von Iran, Pakistan und Oman hätten die im Ölpreis enthaltene Risikoprämie verringert und damit auch die Risikoaufschläge an den Schwellenmärkten gesenkt.

Gleichzeitig warnt sie, dass eine mögliche Blockade oder Störung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus die derzeitige Marktentwicklung schnell umkehren könnte.

Die Wiederaufnahme der wöchentlichen Repo-Auktionen nach rund sechs Monaten wertet Özer zudem als wichtiges Signal. Dass sich die Finanzierungskosten vom Overnight-Niveau von rund 40 Prozent wieder stärker dem offiziellen Leitzins von 37 Prozent annähern, werde von den Märkten als Schritt in Richtung geldpolitischer Normalisierung interpretiert.

Damit seien zugleich die Erwartungen an eine mögliche Zinssenkung im September wieder gestiegen.