Die Türkei bringt eines der größten Infrastrukturprojekte ihrer Geschichte auf den Weg: Am 14. Oktober wird die Ausschreibung für die nördliche Ringbahn in Istanbul veröffentlicht. Diese soll erstmals die beiden internationalen Flughäfen der Megacity auf der Schiene verbinden. Dies hat Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloğlu offiziell bestätigt.
Mit einem avisierten Finanzvolumen von 6,75 Milliarden US-Dollar wäre es das bislang größte ausländisch finanzierte Eisenbahnvorhaben des Landes. Sechs internationale Finanzinstitutionen haben laut dem Minister bereits eine vorläufige Vereinbarung zur Bereitstellung der Summe getroffen.
33 Millionen Passagiere jährlich
Die im 24-Stunden-Betrieb geplante Strecke soll jährlich 33 Millionen Passagiere und 30 Millionen Tonnen Fracht befördern. Laut Uraloğlu wird die neue Verbindung die Kapazitäten im Schienengüterverkehr zwischen Asien und Europa erheblich steigern und eine „neue Ära in der Logistik” einleiten.
Die Trasse startet im Abschnitt Çayırova der bestehenden Marmaray-Linie, führt über den Flughafen Sabiha Gökçen auf der asiatischen Seite, quert die Yavuz-Sultan-Selim-Brücke und bindet den Flughafen Istanbul auf der europäischen Seite an, bevor sie in Çatalca endet.
Gewaltige Ingenieursleistung
Eine im Amtsblatt veröffentlichte Ausschreibungsbekanntmachung beziffert den baulichen Umfang detailliert. Geplant sind eine 122,3 Kilometer lange doppelte Hauptstrecke, 4,7 Kilometer eingleisige Anschlussgleise sowie Bahnhöfe. Für die Umsetzung müssen zudem fünf Doppelröhrentunnel mit einer Gesamtlänge von 36,2 Kilometern, 22 zweigleisige Tunnel (über 23,3 Kilometer), 17 Tunnel in offener Bauweise (3,7 Kilometer) sowie zwei Viadukte (22,1 Kilometer) und 40 Brücken errichtet werden.
Nebenprojekt verkürzt Reisezeit
Abseits des Megaprojekts eröffnete Minister Uraloğlu die neue Straßenverbindung Yalova–Armutlu in der nordwestlich gelegenen Provinz Yalova. Die Fahrtzeit wird durch das Projekt von einer auf 30 Minuten halbiert. Der Minister bezifferte die jährliche Ersparnis auf 240 Millionen Türkische Lira durch Zeitgewinne und 20 Millionen Lira bei den Treibstoffkosten, also insgesamt 260 Millionen Lira. Zudem würden durch die verkürzte Strecke jährlich 900 Tonnen Kohlenstoffemissionen eingespart, wodurch ein Beitrag zum klimafreundlichen Verkehr geleistet würde.