Die türkische Stromverteilungsbranche bereitet sich auf eine gewaltige Investitionsoffensive vor. Wie Fakir Hüseyin Erdoğan, Generalsekretär des Branchenverbandes Elder, mitteilte, sind für den Zeitraum von 2026 bis 2030 Ausgaben in Höhe von umgerechnet etwa 19 Milliarden US-Dollar geplant. Dies entspräche nach dem Wechselkurs vom Oktober 2025 einem Volumen von 777 Milliarden Türkischen Lira.
Ein Großteil der Summe soll in die Erneuerung, den Ausbau und die Modernisierung der oft veralteten Stromnetze fließen. Zudem seien erhöhte Budgets für die planmäßige Instandhaltung vorgesehen. Das übergeordnete Ziel dieser Maßnahmen ist es, sowohl die Dauer als auch die Häufigkeit von Stromausfällen im Land signifikant zu reduzieren.
Die Finanzierung der Modernisierungswelle erfolge in einem streng regulierten Rahmen, so der Verbandssekretär. Die Tarife und Erlösobergrenzen werden von der zuständigen Regulierungsbehörde festgelegt. Zwar würden sich die Investitionen unweigerlich in den Strompreisen niederschlagen, der Prozess sei jedoch transparent und werde genau überwacht.
Hintergrund der massiven Investitionen ist die fortschreitende Energiewende in der Türkei, die laut Erdoğan vor allem von erneuerbaren Energien getragen wird. Die wachsende Zahl dezentraler Erzeugungsanlagen stellt die Netzbetreiber vor neue Herausforderungen. Aktuell sind bereits knapp 35.000 Anlagen zur unregulierten Stromerzeugung ans Netz angeschlossen. Besonders der Boom von Solarkraftwerken hat einen erheblichen Einfluss auf die Netzplanung und den Betrieb.
„Dieser rasche Anstieg der dezentralen Einspeisung verändert grundlegend die Art und Weise, wie wir das Netz steuern”, betonte Erdoğan. Die Branche sieht sich gezwungen, kostspielige Neuinvestitionen in die Blindleistungssteuerung und die Netzkapazität zu tätigen, um die Stabilität der Versorgung auch künftig gewährleisten zu können.