Angesichts zunehmender Trockenheit verfolgt die Türkei einen radikalen Ansatz: Kein Tropfen Wasser soll ungenutzt bleiben. Auf dem 5. Internationalen Wasserforum in Istanbul hat die Regierung in Ankara die neue Strategie „Null-Verlust im Wasser“ ins Leben gerufen. Dabei setzt sie auf eine umfassende digitale Überwachung von der Quelle bis zum Wasserhahn.
Zum Auftakt des Forums erklärte Landwirtschafts- und Forstminister İbrahim Yumaklı, dass die bisherige „Mobilmachung für Wassereffizienz“ nun durch eine schärfere, kampagnenartige Initiative abgelöst werde. Anstelle von reinen Einsparungen gelte nun das „Null-Verlust“-Prinzip. Die Initiative steht unter der Schirmherrschaft von First Lady Emine Erdoğan.
Im Zentrum der Neuausrichtung steht eine tiefgreifende Digitalisierung des Wassermanagements. Laut dem Minister will die Regierung künftig massiv auf Fernerkundung, satellitengestützte Kontrollsysteme und datengetriebene Bewässerungsmodelle setzen. Mithilfe von Sensoren und Big-Data-Analysen soll das kostbare Nass in Echtzeit überwacht werden. Das Ziel besteht darin, Verluste in den Leitungssystemen präzise zu lokalisieren, die Qualität zu sichern und zugleich Frühwarnsysteme für Dürren und Überschwemmungen zu optimieren.
Die landwirtschaftliche Planung soll sich künftig streng an den verfügbaren Wasserressourcen orientieren. Vorgesehen ist ein verstärkter Anbau von trockenheitsresistenten Pflanzensorten, um den hohen Wasserverbrauch im Agrarsektor zu senken. Auch Industrie und private Haushalte werden in die Pflicht genommen.
Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, setzt Ankara auf eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft. Yumaklı betonte, dass innovative Finanzierungsmodelle und öffentlich-private Partnerschaften entscheidend sein werden, um die technologische Wende zu bewältigen. An dem Forum nahmen neun Minister und acht stellvertretende Minister aus verschiedenen Ländern sowie internationale Wasserexperten und Branchenvertreter teil.