Türkei startet mit tiefrotem Minus ins Jahr – Milliardendefizit belastet Konjunktur

16.03.2026 – 7:00 Uhr

Die türkische Wirtschaft ist mit einem unerwartet hohen Außenhandelsdefizit ins Jahr 2026 gestartet. Wie die Zentralbank des Landes am Mittwoch mitteilte, wies die Leistungsbilanz im Januar ein Minus von 6,8 Milliarden US-Dollar aus. Bereinigt um die Posten Gold und Energie ergab sich demnach ein Defizit von 1,23 Milliarden Dollar.

Diese Entwicklung stellt die Regierung in Ankara vor Herausforderungen. Finanzminister Mehmet Şimşek führte das hohe Minus auf die anhaltend hohen Energiepreise zurück, die durch die geopolitischen Spannungen weiter angeheizt würden. „Das Defizit im Jahr 2026 könnte daher unsere Programmprognosen übertreffen“, räumte Şimşek auf der Plattform X ein.

Gleichzeitig bemühte sich der Minister um eine Relativierung der Zahlen. So habe sich die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit des Landes verbessert und die externen Finanzierungserfordernisse seien gesunken. Als Beleg dafür führte er an, dass die Bruttoauslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2025 auf 32,6 Prozent gesunken sei. Man werde den eingeschlagenen Kurs fortsetzen, um die Anfälligkeit der Volkswirtschaft zu verringern. Das mittelfristige Programm der Regierung sieht für das Gesamtjahr 2026 ein Leistungsbilanzdefizit von 22,3 Milliarden US-Dollar vor.

Die detaillierten Daten der Notenbank zeichnen ein gemischtes Bild der türkischen Außenwirtschaft. Während der Warenhandel im Januar ein Defizit von 6,9 Milliarden Dollar verzeichnete, sprudelten die Einnahmen aus dem Dienstleistungssektor. Hier verbuchte die Türkei einen Überschuss von 2,6 Milliarden Dollar.

Auf Jahressicht, also für die zwölf Monate bis Januar, summiert sich das Leistungsbilanzdefizit auf 32,9 Milliarden US-Dollar. Das Warenhandelsdefizit erreichte in diesem Zeitraum sogar 71,2 Milliarden Dollar, während die Dienstleistungsbilanz mit einem Überschuss von 63,1 Milliarden Dollar glänzte.

Parallel zu den Leistungsbilanzdaten veröffentlichte die Zentralbank auch die aktuellen Zahlen zur Auslandsverschuldung. Demnach stieg der gesamte Schuldenberg der Türkei im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal um vier Prozent auf 519,9 Milliarden US-Dollar. Dabei erhöhten sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten leicht um 0,4 Prozent auf 167,4 Milliarden US-Dollar, während die langfristigen Schulden um 5,8 Prozent auf 352,6 Milliarden US-Dollar zulegten.